Lea Singer begibt auf die Fährte einer dramatischen - und wahren - Geschichte im Wiener Künstlermilieu. Sie zeigt die Schattenseite jener vermeintlich glänzenden Zeit und erzählt von einer stillen Frau zwischen zwei genialen Männern - von Mathilde, der Frau des Komponisten Arnold Schönberg, die zur Geliebten des Malers Richard Gerstl wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2003
Bei diesem Roman verstehe man endlich, verschafft Sabine Doering ihrer Verstimmung über diesen Roman sarkastisch Luft, warum die Wiener Künstler der Jahrhundertwende, von deren Liebesleben Lea Singers Roman handelt, sich von der überladenen Formensprache des 19. Jahrhunderts abwandten und nach neuen Ausdrucksformen zu suchen begannen und: "Singers Roman hätten sie wohl alle schnell aus der Hand gelegt." Zur "bestimmenden Stillage" sei bei Doehring nämlich "schwülstiger Erotik-Kitsch" geworden, ein "feuchtes Klischee" reihe sich an das andere, und auch die von Adolf Loos zur künstlerischen Maxime erhobene "Ablehnung des Ornaments" habe die Autorin "großzügig ignoriert", berichtet Doering - weshalb man sich dann eben immer stärker nach der Formstrenge der Wiener Moderne sehne, von der in diesem Roman "so wortreich die Rede ist." Zudem, beklagt die Rezensentin, seien die "angeblich auf Fakten beruhenden" Details aus dem Liebesleben von Wiener Komponisten, Malern und Schriftstellern wie Adolf Loos, Arnold Schönberg, Richard Gerstl oder Alma Mahler, die die Autorin hier in ihrem zweiten, unter Pseudonym geschriebenen Roman "mit ausgesuchter Peinlichkeit" ausbreite, dann auch einfach "beklemmend" - wenn man bedenke, was für "Karikaturen großer Künstler" hier entstanden seien und welch "diffamierenden Mustern" sie ähneln würden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2003
Es ist immer ein Wagnis, historisches Material in Romanform zu bringen und die Wissenslücken spekulativ, das heißt fiktiv zu füllen, meint Adam Olschewski, den Lea Singers neuer Roman "Wahnsinns Liebe" nicht überzeugen konnte. Beim Rezensenten hat sich die Vermutung der Anmaßung eher bestätigt, ein Unrechtsgefühl ist zurückgeblieben. Singer, das Pseudonym einer ausgebildeten Literatur- und Kunsthistorikerin sowie Musikwissenschafterin, wie Olschewski in Erfahrung gebracht hat, hat sich wie schon in ihrem Debütroman historisch verbürgte Persönlichkeiten vorgeknöpft: diesmal den Wiener Künstlerkreis um Arnold Schönberg. Die unscheinbare Ehefrau des Komponisten hat ein Verhältnis mit einem exzentrischen Maler, informiert uns der Rezensent, eine Konstellation, die nicht gut funktionieren kann. Formal sei dies alles gut gemacht, gesteht Olschewski zu, auch spannend genug geschrieben, jedoch symbolisch gelegentlich etwas überfrachtet. Dennoch ist ihm gerade dieser unbedingte Formwille suspekt, denn er lässt keine Zweifel zu, findet der Rezensent, wo Zweifel angebracht seien.
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