2500 Jahre sind die ersten Yoga-Sutren alt, Anweisungen für eine spirituelle Praxis, die von Buddhismus und Hinduismus aufgegriffen wurde. Im Mittelalter von den Arabern wiederentdeckt, inspirierte sie auch Muslime, Christen und Juden zu einer mystischen Gotteserfahrung. Philosophen wie Schopenhauer entdeckten in der altindischen Lehre die Möglichkeit reiner Erkenntnis, im Kampf gegen die Kolonialherrschaft brachte sie das europäische Überlegenheitsgefühl ins Wanken. Stefan Weidner erzählt die Geschichte des Yoga als die sanfte Kraft des Ostens, die sich des Westens bemächtigt hat: ein Blick auf die Welt, der alle Grenzen überwindet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2026
Gern liest Rezensent Martin Kämpchen Stefan Weidners Buch über die Wechselwirkungen zwischen europäischen, nahöstlichen und indischen kulturellen, beziehungsweise vor allem religiösen Traditionen. Weidner behandelt die verschiedenen Regionen zwischen Indien und Europa als eine kulturelle Einheit und betont insbesondere, das schon lange bevor solche Ideen in Europa en vogue wurden, anderswo ein Einheitsdenken praktiziert wurde - ein Denken also, das zeigt, dass verschiedene religiöse Praktiken denselben Ursprung haben. Hart geht Weidner mit dem britischen Kolonialismus in Indien ins Gericht, wobei der Autor durchaus eingesteht, dass manche Briten, die mit den Kolonialisten nach Indien gingen, ein ehrliches Interesse an der lokalen Kultur hatten. Gut findet Kämpchen, dass Weidner sich in den Passagen, die den indischen Unabhängigkeitskampf thematisieren, nicht Ghandi ins Zentrum stellt, sondern den weniger dogmatischen Mönch Swami Vivekananda. Ein bisschen assoziativ und arm an Belegen ist das Buch hier und da schon, moniert der Rezensent gegen Ende, zieht aber trotzdem ein positives Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.10.2025
Rezensent Mark Siemons empfiehlt dieses Buch mit kleinen Einschränkungen. Wenn ihm Weidner hier die Vorgeschichte von Yoga erzählt, verdankt der Kritiker dem Islamwissenschaftler so überraschende wie wichtige Erkenntnisse: So lernt der Rezensent etwa, wie weit verbreitet die Lehren des Yoga auf den verschiedenen Kontinenten schon in den vergangenen Jahrhunderten waren. Schon die alten Griechen faszinierte die Lehre dank Alexander Indienfeldzug, auch im Nordosten Persiens wurden im 11. Jahrhundert bereits 2000 Jahre alte "Yoga-Sutren" übersetzt - überhaupt spielte Yoga im Islam gar keine unbedeutende Rolle, erfahren wir. Ihren endgültigen Siegeszug - auch im Westen - trat die Lehre allerdings am 11. September 1893 an, als der indische Wandermönch Swami Vivekananda die Botschaft des Yoga beim "Weltparlament der Religionen" in Chicago verkündete, liest Siemons. Es ist ein großes Verdienst dieser "Tour durch die globale Geistesgeschichte", die "Grenzen eines engstirnigen Kulturalismus" zu sprengen, lobt der Kritiker. Da verzeiht er auch gern, dass einzelne Perspektiven des Yoga ebenso auf der Strecke bleiben wie eine genaue Betrachtung der Ausbreitung in den USA und Europa.
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