Lars H. Svendsen

Kleine Philosophie der Langeweile

Cover: Kleine Philosophie der Langeweile
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783458171096
Gebunden, 250 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Lothar Schneider. Pascal und Rousseau, Kierkegaard, Nietzsche und Adorno, Goethe, Byron, Ibsen, Proust, Valery und Pessoa - auf sie und viele andere, die sich mit der Langeweile auseinandergesetzt oder sie, wie Gontscharows Oblomow, gelebt haben, greift Lars Svendsen zurück und beschreibt auf anschauliche Weise den Weg, den die Langeweile durch die Geschichte bis heute genommen hat: wie sie wurde, was sie ist und wie sie vielleicht wieder werden kann, was sie auch war: nachdenkliche Muße, kritische Reflexion, kurz: "ein überlegener Zustand" (E.M. Cioran). Es gilt, so Svendsen, das Potenzial einer bewusst erlebten Zeit wiederzuentdecken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Cornelia Vismann hat vor allem die "leichthändige" Art gefallen, mit der der Autor seine Thesen darlegt. Lars Svendsen macht "individuelle Angst" zum Ausgangspunkt seiner Reflexionen und beruft sich dabei auf Heidegger, teilt die Rezensentin mit. Doch er beziehe auch Hollywoodfilme und Erzählungen der Romantik in seine Überlegungen ein. Nicht nur lobt Vismann den Autor als belesen, sie freut sich zudem, dass er so gar nicht prinzipienreiterisch daherkommt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2002

Wieder einmal erweist sich in diesem Buch, meint Manfred Geier, der Essay als schwieriges Genre für den Philosophen: die Form gibt die Freiheit der "subjektiven Phantasie", verlangt zugleich aber nach "Intensität". Und daran mangle es dem Buch leider ganz entschieden. Heraus kommt dann, wie hier, klagt der Rezensent, "Philosophie light", jede Menge Zitate, alles andere als stringent verbunden, wahl- und kontextlos der Zugriff auf die Geistesgeschichte als "Datenbank". Das ganze garniert nur vom "verwirrten Ich" des Philosophen selbst, der sich, findet Geier, bei Warhol, zum Beispiel, vor allem deshalb langweilt, weil er ihn nicht versteht. Im dritten Teil dann unternimmt Svendssen den Versuch einer von Heidegger inspirierten "Phänomenologie der Langeweile". Bedauerlicherweise, so der Rezensent, hat der Philosoph da aber nur "Bahnhof" verstanden und auch sonst bewege er sich kaum einmal auf der Höhe des Problems. Keine Frage, Manfred Geier hält diesen Essay just für einen Teil des Problems, das er erklären will.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2002

Mit der Liebe und dem Schmerz stellt der Rezensent (Kürzel upj.) die Langeweile als etwas, das uns "quält", in eine Reihe und meint, dass uns für alle drei die "klaren Begriffe" fehlen. Gefunden hat sie auch der norwegische Philosoph Lars Svendsen wohl nicht, einen anregenden Essay hat er, findet der Rezensent, dennoch geschrieben. Verortet wird die "Langeweile" erst einmal im Umfeld der Depression, aber auch der Kreativität, in "Kreisbewegungen" kommt Svendsen dem Phänomen näher. Von der "acedia" des Mittelalters bis zur Sinnentleerung bei Beckett und bei Bret Eason Ellis' "American Psycho" wird der Bogen gespannt, das Abschlusskapitel widmet sich einer von Heidegger inspirierten "Phänomenologie der Langeweile". Eine "Lösung" für das Problem der Langeweile hat Svendsen nicht zu bieten, die Einsicht in die Unmöglichkeit einer solchen Lösung scheint aber eine Pointe der Untersuchung zu sein.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Zu Beginn seiner Besprechung dieses Bandes von Lars Svendsen stellt Christian Schüle klar, warum es sich bei der Langeweile um ein sehr bedeutendes Sujet handelt: Sie ist die existenzielle Grunderfahrung des Menschlichen, ermöglicht Seinsgewissheit und fordert die Fähigkeit zur Einsamkeit. Man kann also viel daraus machen, dem norwegischen Philosophiedozenten Svendsen ist dies jedoch nicht gelungen, meint Schüle. Zum Teil weise das Buch zwar ungewöhnlich, überraschende Momente auf, wenn Svendsen etwa den Bogen von Nietzsche und Schopenhauer zu Bret Easton Ellis oder David Cronenberg schlage. Letztlich aber verschwafele sich Svendsen mit wild wuchernden Nichtigkeiten. Nicht eine Pointe gelinge ihm, erklärt Schüle und wendet sich gelangweilt ab.
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