Larissa Boehning

Schwalbensommer

Erzählungen
Cover: Schwalbensommer
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783821807362
Gebunden, 157 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

"Ich sah aus dem Fenster meiner Wohnung in den Hof und mir fiel ein, dass mal jemand gesagt hatte: Warte nie auf die Schwalben, sie kommen immer erst, wenn man sie nicht erwartet." Larissa Boehnings Geschichten tragen Titel wie "Verplomptes Meer", "Katzendreck", "Das Pascha" und "Nordstern", sie spielen auf Rügen, in Berlin, in Tucson oder Tel Aviv. Ihre Protagonisten sind die enttäuschten Kinder der deutschen Start-Up Generation, und wo auch immer sie sind, sind sie auf der Suche. Nach sich? Nach Geborgenheit? Nach Glück? Nach dem Leben? - So recht scheinen sie es selbst nicht zu wissen. Sie geniessen das Leben in vollen Zügen, doch sie balancieren wie Seiltänzer stets über dem Abgrund. Mit verblüffender Könnerschaft erfasst Larissa Boehning in ihrem Debüt verschiedenste Atmosphären, erzeugt ein Höchstmaß psychologischer Spannung, lässt verschiedenste Milieus und Ambientes erstehen und zeichnet mit scheinbar leichter Hand und enormer literarischer Intensität ein Bild ihrer Generation.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.08.2004

Oliver Fink erkennt bei Larissa Boehning erzählerische Qualitäten, die beispielsweise einer Judith Hermann abgehen, die aber selbstgenügsam oder unentschieden ins Leere greifen, so wie die ganzen sensiblen Gedanken der "Um-die-30-Jährigen" aus ihren Geschichten. Also, wie gehabt: "Unspektakuläres Aneinander-Vorbeileben, Augenblicke der Unentschlossenheit, der Unsicherheit, Melancholie, Trägheit, Tristesse" - Momentaufnahmen gespickt mit Leerstellen. Das, so Fink, löse "Unbehagen" aus. Dabei, meint er, seien die Geschichten "gar nicht schlecht erzählt" - Boehning beherrsche den Umgang mit Sprache und Rhythmus, und "ein ausgesprochener Sinn für Komposition ist auch zu erkennen". Vielleicht, so mutmaßt der Rezensent, liegt es an diesem Willen zum Enigma, an den Nebeln, die durch die Erzählungen schweben und die Geschehnisse verrätseln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Vom Ton her erinnert Larissa Boehnings Erzähldebüt den Rezensent Stephan Schlak an Judith Hermann, deren "indifferenten Dreiklang" Boehning ebenso virtuos beherrsche. Und auch die initiativlosen Figuren gemahnen an die Hermannschen Erzählungen, nur dass weniger Rauchkringel in die Luft geblasen werden, meint der etwas entgeisterte Rezensent, der folgendes Beispiel für die Bedächtigkeit und Distanziertheit der Figuren anführt: "Es könnte sein, dass ich mich in dich verliebe", sagt da die Erzählerin in einer Geschichte. Noch ein Hermann-Muster macht Schlak aus: weil die Protagonisten der Geschichten bislang wenig erlebt haben, müssen sie halt reisen. Dafür investiert Boehning sprachlich "groß in den Augenblick", hat Schlak entdeckt, und dabei fallen auch einige treffende Beobachtungen ab, ist ihm aufgefallen, zumal wenn sich die Verfasserin mal von der Befindlichkeit der eigenen Generation entfernt. Doch insgesamt überwiegt ein ganz und gar müder Eindruck.
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