Kurt Kaindl

Reisen ins Niemandsland

Von Lübeck bis Triest. Fotografien entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Klappentext

Mit Texten von Karl-Markus Gauss und Clemens Burger. Geografisch folgt die Fotoreportage der ehemaligen innereuropäischen Grenzlinie von Lübeck bis Triest. Von "beiden Seiten" - aus dem Osten und dem Westen - nähert sich Kurt Kaindl dem früheren Eisernen Vorhang und fängt die besondere Atmosphäre in künstlerischen Reportagefotografien ein: Er besucht die in diesem ausgedehnten Niemandsland entstandenen Landschaften, zeigt Veränderungen in den Städten und Dörfern und fotografiert vor allem Menschen, die immer noch - oder jetzt erst wieder - an dieser ehemals unüberwindlichen Grenze leben. Es gibt Bilder, die den Spuren der Grenzbefestigungen nachgehen, die Zerstörungen grenznaher Dörfer dokumentieren und die Grenzlandschaften als einen Ort darstellen, der noch nicht zur "Normalität" des Umlandes zurückgefunden hat. Karl-Markus Gauß gibt eine sehr persönliche Einführung in die Geschichte der einstigen Grenze un verfolgt ihre Entwicklung bis in die Gegenwart. Clemens Berger erzählt von seiner Kindheit an der Grenze, am Eisenberg im Südburgenland und zeigt historische und gegenwärtige Bezüge auf.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2009

Fasziniert hat Rezensentin Ilma Rakusa in diesen Fotografien von Kurt Kaindl geblättert, die über dreitausend Kilometer ehemaliges Grenzgebiet in Europa dokumentieren - Landschaften und Orte, durch die sich bis vor zwanzig Jahren der Eiserne Vorhang zog. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigten "versehrte Landstriche, in denen Wachtürme, Stacheldrahtreste und vor sich hin rottende ehemalige Grenzübergänge wie Mahnmale die Zeiten überdauert" hätten, aber auch geradezu idyllische Landschaften, habe die Natur doch gerade im ehemaligen Niemandsland eine große Artenvielfalt entwickelt. Und Gegensätze überall: neben funktionslos gewordenen Kirchen und Fabriken stehen neue Einkaufszentren. Auch die Begleittexte von Karl-Markus Gauß und Clemens Berger lobt Rakusa, weil sie ebenfalls nichts beschönigten und auch den Sinn dafür schärften, dass die Gegensätze, die einst zur Konfrontation von Kapitalismus und Sozialismus führten, längst nicht verschwunden sind.