Klaus Modick

Die Schatten der Ideen

Roman
Cover: Die Schatten der Ideen
Eichborn Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783821858272
Gebunden, 460 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

1935: Der deutsche Historiker Julius Steinberg flüchtet wegen seiner jüdischen Herkunft aus Nazideutschland in die USA. Nach einer dramatischen Odyssee durchs Elend des Exils findet er sein privates und berufliches Glück als Professor am Vermonter Centerville College. Doch als er unverschuldet in die Mühlen von McCarthys Hexenjagd auf Kommunisten gerät, wird Steinbergs amerikanischer Traum zum Albtraum. Ein halbes Jahrhundert später, im Jahr des Irak-Kriegs, kommt der Schriftsteller Moritz Carlsen als Writer in Residence ans Centerville College, um dort ein halbes Jahr lang zu unterrichten. Die Arbeitsbedingungen sind gut, das Salär angemessen, und der allgegenwärtige Patriotismus, mit dem die Amerikaner ihre Truppen im Irak unterstützen, scheint in Centerville nur eine lästige Pflichtübung zu sein. Doch dann stößt Carlsen durch Zufall auf Briefe und nachgelassene Aufzeichnungen Julius Steinbergs - geschrieben im Gefängnis. Anfangs nur neugierig, recherchiert Carlsen den abenteuerlichen Lebensweg des vor 50 Jahren emigrierten Historikers und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur. In der von Misstrauen und Hysterie geprägten Gegenwart macht er die bittere Erfahrung, dass die Geschichte sich wiederholt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008

Was Klaus Modick in seinem Roman "Bestseller" noch satirisch als Marktforderungen an das erfolgreiche Buch aufs Korn genommen hatte, setzt er nun in seinem neuen Buch "Die Schatten der Ideen" selbst als literarische Mittel ein, stellt ein ziemlich indignierter Steffen Martus fest. Zunächst entfaltet sich mit dem Antritt einer Gastdozentur in Vermont des an einer Schreibblockade leidenden Moritz Carlsen ein Campus-Roman, der, nicht zuletzt wegen seiner komischen Anteile, noch auf das Wohlwollen des Rezensenten zählen kann. Wenn aber in der Binnengeschichte die Lebenserinnerungen des vor den Nazis geflohenen jüdischen Historikers Julius Steinberg eingeschaltet werden, dann geht der Autor in seiner dargelegten "Geschichtstheorie" mit der Holzhammermethode vor, streut übergroßzügig Winke mit dem Zaunpfahl und leitet überhaupt seine Leser "unfein" durch seine Geschichte, ärgert sich Martus. Es wird viel erläutert in diesem Roman und wenig erzählt, moniert der Rezensent zudem, der hier all die Ingredienzien eines Bestsellers versammelt sieht, die Modick in seiner Satire auf den Literaturbetrieb noch selbst verspottet hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2008

Edo Reents ist äußerst begeistert von Klaus Modicks Roman "Die Schatten der Ideen", der von einem Hamburger Schriftsteller Moritz Carlsen handelt, der in Vermont in der Regierungszeit George W. Bushs eine Dozentenstelle antritt und dort Manuskripte eines jüdischen Historikers und deutschen Exilanten namens Steinberg entdeckt. Steinberg fiel den antikommunistischen Säuberungen der McCarthy-Ära zum Opfer, und Carlsen versucht, dessen Spur zu verfolgen. Reents bescheinigt Modick "historische Tiefenschärfe" und beeindruckende Aufmerksamkeit für paranoische Strukturen, die es ihm erlauben, den McCarthyismus und die aktuelle Islamfeindlichkeit zu vergleichen, ohne an der "ideologisch-historischen Last" zu scheitern. Modicks Roman ist bei aller Vielschichtigkeit, lobt Reents, gut lesbar und mehr als das: ein "großer Wurf".
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