Vom Eigensinn des Schreibens spürt den spezifischen Eigenarten moderner österreichischer Literatur nach und ordnet sie einer Geschichte des literarischen Eigensinns zu - Literatur aus Österreich schaut oft wirklich anders aus. Dies mag an der barock-katholischen Tradition des Landes liegen, hängt aber nicht zuletzt mit dem im Vergleich zu Deutschland geringeren moralischen Druck, der auf der österreichischen Literatur lastete, zusammen. Den Eigensinn literarischer Werke zu verstehen, heißt auch: ihre Produktionsweise zu verstehen. Gerade bei avancierten Texten erweist sich ein Blick auf die Genese als hilfreich, denn aus seiner (ihrer) Arbeitsweise ist der Autor (die Autorin) in vielen Fällen anders und oft besser zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2007
Klaus Kastberger unternimmt es in seinem Buch, das spezifisch Österreichische in den literarischen Texten seiner Landsleute auszumachen, denen er einen ganz besonderen "Eigensinn" zuschreibt. Der Mitarbeiter des Literaturarchivs Wien will dafür vor allem in den individuellen Arbeitsweisen der Autoren und Autorinnen Hinweise finden, erklärt Roman Luckscheiter. Weder diese Fragestellung noch der methodische Zugriff kann den Rezensenten letztlich überzeugen, wiewohl er eine verblüffende "Pointe" für die Frage gefunden hat, warum es in Österreich keine literarische Avantgarde vor den 50er Jahren gegeben hat. Ohne Zweifel kennt Kastberger die Autoren der österreicherischen Literatur des 20. Jahrhunderts gut, betont Luckscheiter, der sich zwar über Auswahl und Gewichtung der vom Autor untersuchten Autoren wundert - Handke und Bernhardt werden weitgehend ignoriert, Jelinek wird im Gegensatz zur auf 50 Seiten abgehandelten Marianne Fritz mit lediglich acht Seiten bedacht - der aber bereit ist, sich darauf einzulassen. Insgesamt aber wirkt der Rezensent vom "philologischen Voyeurismus" Kastenbergs nicht sehr angetan und er kann dessen Fragestellung nicht ganz ernst nehmen, zumal er findet, dass sie dem Autor selbst mitunter aus dem Blick gerät.
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