Mit Illustrationen von Marie Geißler. Zuerst weiß der alte Graf ganz und gar nicht, was er von der Ausreißerin Eli halten soll. Ein zerstrubbeltes Mädchen will bei ihm in seinem alten Bahnhof wohnen? Das würde doch seine ganze Tee- und Nachdenk-Routine durcheinanderbringen! Aber dann werden die beiden doch Freunde. Der Graf beginnt, aus seinem Leben zu erzählen, und Eli darf sogar seine geheime Kaugummisammlung sehen. Gekaute Kaugummis, versteht sich! Und jedes Kaugummi hat eine eigene Geschichte. Jetzt fehlt nur noch ein Plan, um den Bahnhof vor dem Abriss zu retten …
Rezensentin Judith Scholter hat Kirsten Reinhardts neues Kinderbuch "Der Kaugummigraf" gut gefallen. Die Autorin erzählt die tragikomische Geschichte um einen alten einsamen Grafen, dessen Leben durch die Begegnung mit der kleinen frechen Eli durcheinander gewirbelt wird, mit so viel Tempo und Leichtigkeit, dass ernste Themen wie Tod oder verdrängte Vergangenheit gar nicht mehr allzu schwer wiegen, lobt Scholter. Tief beeindruckt zeigt sich die Kritikerin auch von Reinhardts fantasievoller und zugleich zurückgenommener Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017
Rezensent Dietmar Dath lernt bei Kirsten Reinhardt so herrliche Wörter wie "Süßigkeitenkotze". Dass der Verlag seiner Autorin Derartiges gestattet, findet Dath bemerkenswert. Wie das Buch überhaupt seinen Geschmack trifft, etwa, weil es sprachlich aus logischen Gegensätzen Kunst gewinnt. Oder einfach, weil die Sprache hier nach Zitrone riecht. Dass Reinhardt damit keinen Selbstzweck verfolgt, sondern poetisch-realistische Erhellung so wichtiger Themen wie Kindesmisshandlung oder Bürgerkrieg, findet Dath umso toller. Den Kleister für Reinhardts Wimmelbild, das Kaugummi, den ein Sammler im Buch ahnungslos Kauenden entwendet, braucht das Ganze womöglich gar nicht, aber Dath gefällt er trotzdem.
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