Aus dem Koreanischen übersetzt von Hyunsook Youn-Groß und Nikolaus Groß. Der Roman ist unter dem Originaltitel "Hong-o" 1998 erschienen. Er spielt in den fünfziger Jahren in einem abgelegenen koreanischen Bergdorf. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die Erlebnisse Seyongs, eines vierzehnjährigen Jungen. Als dieser acht Jahre alt war, hat sein Vater, dessen Spitzname "Stachelrochen" ist, die Familie einer anderen Frau wegen verlassen. Seyong lebt mit seiner Mutter ganz zurückgezogen in einer kleinen Hütte, ihren Lebensunterhalt verdient die Mutter mit Näharbeiten. Über der Küchentür ist ein getrockneter Stachelrochen aufgehängt, die Mutter bastelt für ihren Sohn "Rochendrachen" als Spielzeug. Auf diese Weise ist ihr Mann immer noch präsent, ebenso aber auch die zwiespältigen Gefühle, Sehnsüchte und Enttäuschungen, die sich mit seiner Person verbinden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2002
"Auch in der Literatur kann Korea mithalten", schreibt Sabine Berking mit Blick auf die Fußball-WM und stellt uns den Autor dieses im Original bereits 1998 erschienenen Romans vor, dessen Werke, wie sie erklärt, von der schmerzhaften Rückgewinnung nationaler Identität und dem Trauma der politischen Teilung geprägt sind. Der Roman mutet ihr in seiner Szenerie archaisch an, führt er den Leser doch in das vorindustrielle, ländliche Südkorea der 50-er Jahre, wo der Autor ein "symbolträchtiges Familiendrama" als "psychologisches Kammerspiel" arrangiert. Über den im Roman entworfenen "poetischen Isolationismus", die "derben, zuweilen bildhaft- lyrischen Worte" und "Bilder von trauriger Schönheit, die die Ikonographie fernöstlicher Mythen zitieren" erspürt die Rezensentin die "verstörende Sprachlosigkeit" dieser Gesellschaft. Ein Nachwort über die Literaturszene Südkoreas hat sie durchaus vermisst.
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