Kevin C. Powers

Die Sonne war der ganze Himmel

Roman
Cover: Die Sonne war der ganze Himmel
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783100590299
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens. Die beiden jungen Amerikaner John Bartle, 21, und Daniel Murphy, 18, haben keine Zeit erwachsen zu werden. Als Soldaten werden sie gemeinsam in den Irak geschickt, in einen Krieg, auf den sie niemand vorbereitet hat. Was John und Daniel in der glühenden Hitze der Wüste am Leben hält, ist ihre Angst und ein Versprechen, das John Daniels Mutter gegeben hat: Er wird auf Daniel aufpassen, was immer kommen mag.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2013

Nach der Lektüre des nun von Henning Ahrens gelungen ins Deutsche übertragenen Romans "Die Sonne war der ganze Himmel" ist Rezensentin Angela Schader tief bewegt - insbesondere, weil die fiktionale Handlung des 1980 geborenen Autors Kevin Powers, der selbst als Maschinengewehrschütze im Irak kämpfte, tiefe und erschütternde Einblicke in die seelischen Verwundungen derjenigen gewährt, die dem Krieg lebend entkamen. Die Kritikerin liest hier Szenen ungeheuren Grauens, die dank des Verzichts des Autors auf emphatische Schilderungen oder moralische Reflexionen umso unmittelbarer hervortreten: Powers' Protagonist, der sich bereits als Jugendlicher bei der Armee meldet, muss etwa miterleben, wie der eiskalte Sergeant Sterling seinen jüngeren und liebenswerten Freund Daniel Murphy bereits für tot erklärt, noch bevor dieser nackt und verwundet ermordet wird. Auch wenn die Rezensentin in diesem Roman die ein oder andere "stilistische Unsicherheit" entdeckt, hat sie selten ein so erschütterndes "Zeugnis aus der Kriegshölle" gelesen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.05.2013

Höchstes Lob hat Jörg Lau für Kevin Powers' Kriegsroman "Die Sonne ist der ganze Himmel" übrig. Wie Powers, selbst Irak-Kriegsveteran, seine Erlebnisse zu einer dichten, spannenden und erschütternden Geschichte verarbeitet, in der immer wieder "auf verstörende Weise" das erhebliche lyrische Talent des Autors durchschimmert, erhebt ihn für den Rezensenten in den Rang von Schriftstellern wie Stephen Crane und Erich-Maria Remarque. Über die Handlung möchte Lau lieber nicht zu viel verraten und belässt es bei einer Beschreibung der Figurenkonstellation um die befreundeten Soldaten Bartle und Murph und ihren Lieutenant Starling. Ein Antikriegsroman im klassischen Sinne sei das Buch nicht, stellt der Rezensent noch fest, aber mit seiner Beschreibung eines mittlerweile allgemein als illegitim empfundenen Krieges rennt Powers trotzdem "ganze Galerien von Türen" ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2013

Bewegt hat Rezensent Hubert Spiegel den in den USA hochgelobten Roman "Die Sonne war der ganze Himmel" des jungen Soldaten Kevin C. Powers gelesen, der im Jahre 2005 mit 24 Jahren aus dem Irak-Krieg zurückkehrte. Der Kritiker folgt hier der Geschichte des jungen John Bartle, der traumatisiert aus dem Krieg kommt und über der Frage, ob die Schuld Menschen getötet zu haben oder seinen jüngeren Freund Murphy nicht gerettet zu haben, fast zerbricht und verwahrlost. Bisweilen erscheinen Spiegel die Rückblenden in die Ereignisse des Krieges wie "Erinnerungsschübe eines Traumapatienten"; vor allem aber lobt er diese erschütternde Innenansicht eines jungen Soldaten als bedrückendes Porträt einer jungen Generation, die ohne Ideale, Werte und Illusionen aufgewachsen ist, die sie verlieren könnte. Und so kann der mitgerissene Rezensent auch darüber hinwegsehen, dass in diesem Debütroman nicht selten teilweise banale und allzu prätenziöse, bemühte Bilder auftreten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2013

Kevin Powers hat in seinem autobiografischen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel" seine Erlebnisse im Krieg verarbeitet, erklärt Sabine Vogel, die ihre Rezension zunächst mit einem langen Zitat einleitet, um gleich eines deutlich zu machen: das Buch ist kein Tagebuch eines jungen und leidlich sensiblen Kriegsveteranen, es ist "die klare, feingesponnene Prosa" eines Schriftstellers. "Der Krieg wollte uns im Frühling töten", so laute schon der erste, wuchtige Satz, begeistert sie sich. Wie sein Alter Ego John Bartle hatte sich Powers freiwillig für den Irakkrieg gemeldet. In der Schule war der Gedichte lesende Junge als "Schwuchtel" bezeichnet worden und er wollte sich und den anderen seine Männlichkeit unter Beweis stellen, auch gegen den Willen der Mutter, berichtet die Rezensentin. Eindringlich schildere Powers die Grausamkeiten des Krieges, wo einen nur noch die Toten berühren, die einem persönlich vertraut waren, die anderen "Leichen sind 'Teil der Landschaft'". Für eine derartige poetische Verdichtung des Krieges sind die Preisnominierungen, die es momentan hagelt, vollkommen gerechtfertigt, findet Vogel.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2013

Sichtlich beeindruckt und anhand zahlreicher Zitate führt Rezensent Andreas Fanizadeh durch diese über weite Strecken (wenn auch nicht komplett) autobiografisch gefärbte Schilderung des Irakkriegs, deren Lektüre der Rezensent zwar wärmstens empfiehlt, wenn auch nur Lesern ohne ideologische Scheuklappen. Diese aber würden bei diesem komplex erzählten, "existenzialistischen Roman" rundum bedient: Fanizadeh berichtet von "tiefen Gefühlen", von Hochspannung sowie von der bemerkenswerten Beobachtungsgabe und Sprache des Autors, der damit gesellschaftskritische wie ästhetische Ansprüche gleichermaßen zu befriedigen wisse. Beeindruckend auch, wie Fanizadeh anmerkt, Powers' Schilderung der zunehmenden Entmenschlichung des Einzelnen im Krieg: Hier gelinge dem Autor - ähnlich wie zuvor bereits Kathryn Bigelow in ihrem Kriegsfilm "The Hurt Locker" - etwas, was unter literarischen Bedingungen üblicherweise nicht für möglich gehalten werde.