Ketil Bjoernstad

Vindings Spiel

Roman
Cover: Vindings Spiel
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783458172925
Gebunden, 347 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Lothar Schneider. Aksel Vindings Leben gerät aus den Fugen, als seine Mutter bei einem Badeausflug vor seinen Augen ertrinkt. Der Fünfzehnjährige beschließt, die Schule abzubrechen und sich ganz dem Klavierspiel zu verschreiben, in Erinnerung an seine Mutter, die ihm die Liebe zur Musik vermittelte. Täglich übt er bis zur Erschöpfung. Er gründet mit Gleichgesinnten die Gruppe"Junge Pianisten", zu der auch die sensible und hochbegabte Anja Skoog gehört, in die Aksel sich verliebt. Die Freunde und Konkurrenten Rebecca, Ferdinand, Margrethe Irene, Anja und Aksel fühlen sich als die zukünftige Elite. Während ihre Altersgenossen die Beatles und die Rolling Stones verehren, schwärmen sie für Beethoven, Ravel, Bartok und träumen davon, Debussys Clair de Lune oder die c-Moll-Etüde von Chopin einzigartig zu interpretieren. Der harte Weg durch Wettbewerbe, Debüts und Konzerte bringt sie jedoch alle an die Grenzen ihrer Kraft und ihres Lebens. Für kurze Zeit wird diese Gesellschaft zu einer Art Schicksalsgemeinschaft. Doch Aksel beginnt sich zunehmend als Außenseiter zu fühlen, dem die Frage nach der richtigen Konzertagentur und der Inszenierung von Auftritten nichts bedeutet, der sich nicht korrumpieren lassen will.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2006

Mit großer Ergriffenheit hat Rezensent Konrad Heidkamp diesen ebenso "musikalischen wie erotischen" Roman des norwegischen Schriftstellers und Jazzpianisten gelesen. Es handelt sich um einen Künstlerroman über einen jungen Pianisten, der in der klassischen Musik lebt, seine Gefühle darin ausdrückt. Auch eine tote Mutter sowie eine lebende junge Frau sieht Heitkamp im Roman eine Rolle spielen, die für den jungen Mann "zum Inbegriff Fleisch gewordener Musik" geworden ist. Auf jeder Seite spürt der Rezensent außerdem eine "Spanne zwischen träumerischer Faszination und handgreiflicher Praxis", wie er sie auch für Adolenszenzromane typisch findet. Ketik Bjornstad schreibe kurze Sätze, benutze Wörter wie Töne, Akkorde oder lange Melodien, schreibt der auch von Komposition und Rhythmus dieses Romans begeisterte Rezensent. Kein Schwadronieren, kein Verschwinden von Motiven: jede Begleitstimme, jedes Nebenthema bleibe sichtbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2006

Ein wenig schwerhufig kommt Ketil Björnstads Roman über einen jugendlichen Pianisten für den Geschmack von Rezensent Martin Halter daher. Nordisch kühl und gemütsschwer, aber mit einem ansehnlichen Panorama an Seelenqualen und verstümmelten menschlichen Beziehungen auf der Habenseite. "Halb gelungen" meint der Rezensent und vermutet, dass Ketil Björnstad die Schrecken seiner eigenen Jugend und Jungpianistenkarriere beschreibt und gewissermaßen bewältigt. Sehr ernste Musik sei dabei herausgekommen, ohne jedes spielerische Element. Passenderweise, so der Rezensent, habe auch der 16jährige Aksal Vinding keine Ahnung von Unterhaltungs- und Jugendmusik. Seine früh verstorbenen Mutter habe ihm neben einer protestantischen Lebensverneinung als Vermächtnis mitgegeben, das Leben doch besser in der Musik zu suchen. Der Roman, schreibt der ernüchterte Rezensent, lasse offen, ob Aksels erfolgreicher Rückzug in die Musik vom erhofften gesellschaftlichen Erfolg kompensiert werde. Keinen Zweifel lasse er dagegen aufkommen, dass entweder nur die Kunst oder nur das Leben zu haben sei.
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