Kerstin Mlynkec

Drachentochter

Roman
Cover: Drachentochter
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783871344954
Gebunden, 288 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Ein ungeheuer waches Mädchen wächst in den 60er Jahren zwischen Ostseeküste und Spreewald heran. Die Mutter, mit dreizehn Jahren schwanger geworden, lässt ihre Hilflosigkeit an der Tochter aus, pausenlos und brutal. So beginnt für das Mädchen eine Odyssee durch diverse Heime, allesamt kleine Mikrokosmen der Diktatur. Sie probt den Aufstand und wird von Kindheit an als Rebellin auffallen, durch gnadenlosen Witz und konsequente Verweigerung - zur Freude ihrer Mitschüler und Kommilitonen, doch zum Verdruss staatlicher Instanzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2004

Hans-Peter Kunisch hält das Debüt von Kerstin Mlynkec für eins der gelungensten und überraschendsten der letzten Jahre. Eine höchst eigenwillige und sprachmächtige Autorin hat er entdeckt, die ihre teils autobiografische Geschichte einer Außenseiterjugend in der DDR erzählt. Ihr Ton sei schnoddrig und sehr direkt, dabei frisch und sprachlich innovativ: nicht als Realismus, sondern als Hyperrealismus möchte Kunisch diesen Prosastil bezeichnen. Sowohl inhaltlich wie literarisch rückt der Rezensent die Autorin in die Nachfolge von Arno Schmidt: die Vorliebe für das sprachliche Experiment zählt er dazu, die wie bei Schmidt die "Aktivierung der Substantive" suche. In der Ich-Erzählerin sieht er wiederum auf undogmatische Weise "die klassische Schmidt'sche Perspektive" umgekehrt: kein Sonderling spricht hier, so Kunisch, sondern das "älter gewordene Zigeunermädchen", das sich Raum und Worte greift. Nur die Schilderung des Alternativlebens am Prenzlauer Berg im zweiten Teil des Romans ist Kunisch etwas zu lang geraten, ansonsten hat er am Debütroman der keineswegs mehr ganz jungen Autorin (Mlynkec ist Jahrgang 1959) nichts auszusetzen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2004

Der Name der Autorin spricht sich "Münketz", verrät Uwe Stolzmann, ein sorbischer Name, den man sich seines Erachtens merken sollte, auch wenn sich die Autorin von "Drachentochter" an ihrem Erstlingsroman seiner Meinung nach überhoben hat. In die Serie der übrigen DDR-Bücher lässt sich "Drachtentochter" seines Erachtens nicht einreihen, die DDR werde weder verklärt noch verteufelt, sondern stelle schlicht die zufällig biografische Kulisse eines schrecklichen Außenseiterlebens dar, von dem Mlynkec berichtet: Heimerfahrungen, eine brutale Mutter, Ausreißversuche, kleine Fluchten, innere Befreiung und Lossagung. Bei Mlynkec ist nicht das System Schuld oder schlecht, konstatiert Stolzmann, sondern hier sorgten die Menschen für das Grauen. Das Besondere an "Drachentochter" sei dennoch weniger die Geschichte als die unterkühlte Sprache, die mal extrem distanziert, dann wieder ironisch und anteilnehmend ausfalle. Allerdings bescheinigt der Rezensent der Autorin einen "zwanghaften Hang zur Originalität", der gelegentlich ins Peinliche oder Kitschige abdriftet. Außerdem sei der Stoff zu wenig gestrafft, kritisiert der Rezensent, betont aber, dass er bei Kerstin Mlynkec eine ganze eigene und ungewohnte Stimme vernommen hat, auf die es in Zukunft zu achten gilt.
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