Kenzaburo Oe

Sayonara, meine Bücher

Roman
Cover: Sayonara, meine Bücher
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100552136
Gebunden, 364 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Nora Bierich. Kogito ist verletzt - ein Gewaltakt hat ihn aus der Bahn geworfen. In schlaflosen Nächten und den Gesprächen mit seinem Freund Shigeru lässt er sein Leben revue passieren. Fragen nach seiner schriftstellerischen Identität kommen auf, Erinnerungen an seine Kindheit, an das Haus in den Bergen und an die Großmutter, die ihm die Geschichten der Gegend erzählte. Kogito steht am Ende seines Lebens. Wäre es nicht an der Zeit, mit dem Schreiben aufzuhören, sich von den eigenen wie von den fremden Büchern zu verabschieden? "Sayonara, meine Bücher" beleuchtet den Werdegang eines der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit und ist zugleich eine Hommage an die Welt der Bücher.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2009

Hubert Winkels gibt sich als großer Verehrer Kenzaburo Oes zu erkennen, den er zu "Zivilität in Person und in Schriftgestalt" erklärt. Den neuesten Roman "Sayonara, meine Bücher" kann er jedoch nur als ein "Buch für Kenner" empfehlen, Neulesern wird sich Oes Großartigkeit damit nicht unbedingt erschließen. Winkels beschreibt den Roman als eine von vielen Motiven, Handlungen und Theorien durchzogen und von dem Dualismus von Aktion und Kontemplation geprägt. Auch sieht er viele andere Autoren darin ein- und zusammenfließen: Dostojewski, Celine, Beckett, Eliot. Es sei ein "virtuoses Glasperlenspiel", meint Winkels, der es jedoch nicht klingen und knallen gehört hat. Das musste er sich selbst dazudenken.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2009

So richtig kann Leopold Federmair die Gespräche in diesem Buch des Literaturnobelpreisträgers Kenzaburo Oe nicht ernst nehmen. Wenn Literatur eine Gegengewalt zur Staatsgewalt veranlassen können sollte, dann wohl nicht diese, scheint er uns sagen zu wollen. Für Federmair liegen die Schwierigkeiten dieses Romans zum einen darin begründet, dass der darin thematisierte Terrorismus "keine klare politische Ausrichtung" hat. Zum anderen fehlt ihm der Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit des heutigen Japans. Federmair sieht Oe als mehr und mehr in privaten und literarischen Reminiszenzen und Dostojewski- oder Eliot-Lektüren verstrickten Autor, dem das Rohe und Verrückte seiner frühen Texte nicht mehr so recht gelingen will.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2008

Burkhard Müller gibt unumwunden zu, dass dieser Roman von Kenzaburo Oe ihn an die Grenzen seiner Profession führt. Um nicht nur zu Fragen, sondern auch zu Antworten zu gelangen, sähe er sich in diesem Fall gezwungen zu einer wissenschaftlichen Behandlung des Textes überzugehen. Weil das Müllers Sache nicht ist, bleibt das Buch für ihn (und uns) ein "gelassen" erzähltes, mit einer ordentlichen Prise Geheimnis dabei. Immmerhin ahnt Müller, woran das liegt. Hinter vielem, nur Angedeutetem, sei's zum Thema Japan oder zum Thema Alter (beide spielen hier eine Rolle), vermutet er eine "Vorgeschichte in früheren Büchern". Und der für Müller spürbare ironische Einschlag bleibt insofern dunkel, als der Rezensent weder festzustellen vermag, wie weit er reicht, noch worauf er sich bezieht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Rezensentin Irmela Hijiya-Kirschnereit muss sich immer wieder daran erinnern, dass hier ein Nobelpreisträger schreibt, ein welterfahrener und reflektierter Autor. Kein gutes Zeichen. Tatsächlich erscheint ihr das Buch mitunter als Schlusspunkt von Autor und Werk. Derart bequem mache es sich Kenzaburo Oe mit seinem Arrangement - zwei ältere Herren in Landhäusern, die sich vorlesen und Erinnerungen entlocken lassen und nebenher pseudoanarchistische Anschläge ohne erkennbaren Sinn aushecken -, dass Hijiya-Kirschnereit allerhöchstens eine "Verdichtung" autobiografischen Schreibens, ein Mehr an Eitelkeit und Ich-Bezogenheit beim Autor konstatieren kann. Das macht die Rezensentin naturgemäß nicht froh. Zu wenig zeitkritisch, zu geläufig sind ihr Oes Themen und Motive, zu "unnatürlich" die Dialoge, zu "ärgerlich" die Nationalklischees, die sie allerdings nicht erwartet hätte. Positiv überraschend findet sie eigentlich nur die Übersetzung von Nora Bierich, die sei "hervorragend".
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