Kenneth Burns, Geoffrey Ward

Jazz

Eine Musik und ihre Geschichte
Cover: Jazz
Econ Verlag, München 2001
ISBN 9783430116091
Gebunden, 512 Seiten, 65,00 EUR

Klappentext

Das Buch ist gebunden im Aluschuber. Geboren in den Vierteln der Schwarzen in New Orleans als eigenwüchsiger, verheißungsvoller Spross von Blues und Spiritual, wird Jazz bald auf der ganzen Welt gespielt und geliebt, schließlich als Klassik des 20. Jahrhunderts bezeichnet. In "Jazz" vermischen sich die Biografien und die Bilder der Männer und Frauen, die diese Musik groß gemacht haben, mit Stilanalysen und Berichten über atemberaubende Konzerte und Aufnahmen. Mit mehr als 500 zum Teil unveröffentlichten Fotos.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.01.2002

Das Buch ist ein "Segen und ein Fluch zugleich", stöhnt Konrad Heidkamp, es komme nur darauf an, welche Seite man aufschlage. Schlagen wir also auf, was ihm sofort positiv ins Auge gesprungen ist: der geniale Fototeil, für den allein sich die Anschaffung des Buches lohnt, wie Heidkamp meint. Zum einen enthält es "seltene, nie gesehene Aufnahmen", zum anderen scheine die Schwarz-Weiß-Fotografie einfach "für den Jazz erfunden". Das Ärgerliche an dem Buch ist für Heidkamp die konservative Ausrichtung, die nur den "schwarzen" amerikanischen Jazz gelten lässt, Europa völlig ignoriert und der Entwicklung zwischen 1960 und heute insgesamt 32 Seiten (von 480) widmet. Als künstlerischer Berater und Aushängeschild von Ken Burns, einem Dokumentarfilmer, dient Wynton Marsalis, der für seine Ausfälle gegen den Jazzmusiker Keith Jarrett bekannt geworden ist, so Heidkamp. Besonders ärgerlich findet der Zeit-Rezensent denn auch, dass selbst die eigene Geschichte einer Revision unterzogen wird und innovative Strömungen im Jazz von den 60er Jahren bis heute (von Archie Shepp bis zum Art Ensemble of Chicago) schlicht für nicht-existent erklärt würden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2002

Ohne Umschweife verteilt Peter Niklas Wilson Lob und Tadel für den gewichtigen Text- und Bildband von Ken Burns und Geoffrey C. Ward über den Jazz. Ein Lob spendet der Rezensent den Autoren für die Auswahl der zahllosen Farbfotos, von denen viele, insbesondere aus der Frühzeit des Jazz, auch echten Kennern neu sein dürften. Aber nicht nur die idiomatisch wie musikalisch-fachlich "unzuverlässige" Übersetzung erregt das Missfallen des Rezensenten. Es ist vor allem der Inhalt. Die Früh- und Vorgeschichte des Jazz werde, abgesehen von Blues und Ragtime, noch gut abgehandelt, aber dann, schimpft der Rezensent, verkomme die Darstellung zur Einseitigkeit. Weiße Jazzmusiker würden weitgehend ausgeblendet, Keith Jarrett und Stan Kenton als Rassisten denunziert und zu allem Überfluss dürfe Wynton Marsalis, vom Autor zum "Chefberater" auserkoren, seiner umstrittenen Sicht auf den Jazz freien Raum lassen. Und das bedeutet, stellt Wilson mit Erschrecken fest, dass die Jahre 1960 bis 1985 totgeschwiegen oder krude diffamiert würden und Musiker wie Stan Getz oder Lee Konitz gerade mal den Status von Randfiguren erhielten. Das Schlimmste ist, befürchtet Wilson, dass dieses Buch Schule machen und so ein verengtes und schiefes Bild des wunderbar facettenreichen Jazz zementieren werde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001

Der Autor ist eigentlich Dokumentarfilmer und hat für das amerikanische Fernsehen eine zehnteilige Serie über die Geschichte des Jazz gedreht, die viel Staub aufgewirbelt hat, berichtet Ralf Dombrowski. Warum? Weil Burns den Jazz mit Armstrong zu Grabe getragen und die Geschichte retrospektiv auf die afroamerikanische Tradition zugespitzt und zurechtgestutzt hat. Vor allem junge und weiße Musiker hätten sich verhöhnt gefühlt, berichtet Dombroski, es fehlten die europäischen und klassischen Einflüsse, auch die Prägungen durch die DJ-Kunst im Jazz. Unbekümmert von der harschen Kritik hat Burns nun seine Fernsehserie in einen opulenten Bildband umgearbeitet: für Dombrowski ein "Manifest des Neokonservatismus", da er die "Hochkulturerhebung der improvisierenden Musik" betreibe. Was Burns da an Bildern und Materialien zu den Ursprüngen des Jazz aber auch zur Sozialgeschichte der Schwarzen zusammengetragen hat, ist allerdings für Dombrowski - bei aller berechtigten Kritik - brillant gemacht.
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