Henry Ashby Turner

General Motors und die Nazis

Das Ringen um Opel
Cover: General Motors und die Nazis
Econ Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783430192064
Gebunden, 304 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Opel gehörte von 1929 bis zum Zweiten Weltkrieg zu General Motors. Die amerikanischen Eigner und Aktienbesitzer verdienten daran, dass Opel Nutzfahrzeuge und militärisches Gerät für den Krieg herstellte, die gegen die Alliierten eingesetzt wurden: Der "Opel Blitz" etwa war der Standard-LKW der deutschen Truppen. Und die in Rüsselsheim hergestellten Baukomponenten für Landminen und das Aufklärungsflugzeug JU88, laut Göring das "Rückgrat der Luftwaffe", dürften so manchen amerikanischen Soldaten das Leben gekostet haben. Der NS-Forscher Henry Ashby Turner berichtet von personalpolitischen Kabalen, entwirrt die Steuerungsprozesse zwischen General Motors und den NS-Behörden und stellt das System der Zwangsarbeit in den Rüsselsheimer Werkhallen dar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2006

Werner Abelshauser empfiehlt Henry Ashby Turner als den richtigen Mann für die noch ausstehenden Fakten zu General Motors und den Nazis. Der Mann sei nicht nur ein Pionier ernsthafter Forschung über die Großindustrie im "Dritten Reich", sondern verfüge auch über einen Blick für die Grautöne. Langweilig ist das nicht, wenn wir Abelshauser glauben wollen. Auch ohne spekulative Effekthascherei erscheint ihm das Buch wie ein Krimi. Als besondere Überraschung nimmt er die Erkenntnis mit, dass GM nur ein weiterer Opportunist war, der sich mit den Verhältnissen unter Hitler arrangierte. Arrangieren musste. Denn das wird dem Rezensenten nach der Lektüre klar: Die politische Einflussnahme der Wirtschaft war offenbar gering.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.08.2006

Anita Kugler unterscheidet Henry A. Turners neues Buch über die Rolle von GM und Opel im Dritten Reich von den Arbeiten zur Unternehmensgeschichte, die der Autor im Auftrag von General Motors erstellt hat. Keine Selbstverständlichkeit, dem offiziellen Auftrag so eine unabhängige Forschungsarbeit nachzuschieben, findet Kugler und wundert sich bloß ein wenig, dass Turner dennoch den Vergleich mit anderen US-Unternehmen in Nazi-Deutschland nicht unternimmt, um die Spielräume von GM/Opel sichtbar zu machen. Das Buch hält sie trotzdem für gelungen und seinen Autor für einen "souveränen" Chronisten, wenn es um die Schilderung von Opels Aufstieg zum Militärlieferanten geht. Besonders interessant erscheint der Rezensentin, was Turner über Opels Flugzeugteileproduktion zu berichten hat. Dieses Kapitel basiere ausschließlich auf bisher von GM nicht freigegebenen Firmenunterlagen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Über die Geschichte ausländischer Konzerntöchter zur Zeit des Nationalsozialismus sei noch immer wenig bekannt, weswegen Tim Schanetzky diese Studie zur Rolle von General Motors im Dritten Reich und seinen Opel-Geschäften sehr begrüßt. Die Verstrickung von GM ist nach Schilderung von Schanetzky recht verwickelt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten machte das Unternehmen ab 1936 in der deutschen Rüstungswirtschaft satte gewinne, mit der Produktion von LKW sowie Flugzeug- und Torpedoteilen. In den Rüsselsheimer Werken wurden 1944 ungefähr 25 Prozent Zwangsarbeiter beschäftigt, in den Brandenburger Werken lag ihr Anteil sogar bei 44 Prozent. Zwar blieb Opel die gesamte Zeit über hundertprozentig in Besitz des amerikanischen Mutterkonzern, doch waren seine Einflussmöglichkeiten durchaus begrenzt. Ab 1941 waren die Gewinne in den USA als "feindliches Vermögen" eingestuft und unter staatliche Kuratel gestellt, die Dividenden flossen jedoch weiter. Schnetzky zieht als Ergebnis aus diesem Buch, dass Opels NS-Verstrickung nicht so tief war, wie es einige Legenden wollen, aber immer tief genug, dass sie durchaus mit Grund der Stiftungsinitiative zur Zwangsarbeiterentschädigung beigetreten sind.