Kathy Reichs

Knochenlese

Roman
Cover: Knochenlese
Karl Blessing Verlag, München 2003
ISBN 9783896671981
Gebunden, 382 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus Berr. Im Jahr 1982 ereignete sich in Chupan Ya, einem kleinen Dorf in Guatemala, ein schreckliches Verbrechen. Während des Bürgerkrieges stürmte ein Militärkommando die Häuser, verschleppte, quälte und tötete Frauen und Kinder. Heute, 20 Jahre nach dem Massaker, machen sich die Mitglieder einer Menschenrechtsorganisation daran, die lang verschwiegene Bluttat aufzuklären. Unterstützt werden sie von Dr. Tempe Brennan aus Montreal, die sich bereit erklärt hat, bei der Identifizierung der Opfer zu helfen. Die abgebrühte Kriminologin beginnt mit einer Knochenlese, die selbst ihr alles abverlangt. Als ein Attentat auf ihre Kollegen verübt wird, lässt sich nicht mehr leugnen, dass die amtierenden Machthaber in ihrer Kaltblütigkeit den Anhängern früherer Regimes mehr als ebenbürtig sind...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.05.2003

Kolja Mensing macht einen neuen Trend aus in der Krimiliteratur: "medical thriller". Hauptrolle spielt hier in der Regel ein Gerichtsmediziner, den Mensing in der Tradition der Sherlock Holmes-Romane sieht. Auch dort komme es eher auf Deduktion als auf Intuition an. Vor allem ist der medical thriller jedoch eine Abkehr von den Psychothrillern der achtziger und neunziger Jahre, die gern ins Herz der Bestie, am liebsten eines Serienkillers schauten. Reichs und ihre Kolleginnen wie Iris Johansen, Patricia Cornwell und Krystyna Kuhn interessieren sich dagegen mehr für die Opfer. Für den Profiler oder Psychologen haben sie nur Verachtung übrig: "'Psychogewäsch' heißt es in Kathy Reichs jüngstem Krimi 'Knochenlese' über das Gutachten eines Polizeipsychologen", zitiert Mensing. Er wittert dagegen im "medical thriller" "die Ambivalenz einer zutiefst wissenschaftsgläubigen und säkularisierten Gesellschaft, die den Tod zwar entzaubert hat, ihn aber trotzdem fürchtet". Und wenn Reichs' Heldin, die forensische Anthropologin Tempe Brennan, die Leiche im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Seziertisch auseinander nimmt, wird der voyeuristische Blick, den die Profiler dem Leser beschert hatten, für Mensing gleichfalls bestens bedient.
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