Mit zahlreichen Fotografien und mit einer beigelegten Karte. Viele Jahre bevor der Eiserne Vorhang fiel, hat Karl Schlögel Moskau erkundet. Auf langen Spaziergängen lernte er, die Eigenarten der Stadtviertel zu verstehen und in den Fassaden der Häuser zu lesen. 1984 präsentierte er zum ersten Mal ein Moskau, das der Westen so noch nicht kannte: eine Steinlandschaft, an der einzelne Zeitschichten abzulesen waren. Knapp 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion hat sich die Stadt erneut verwandelt, Investorenarchitektur ersetzte Teile jener Stadt, die Schlögel erwanderte. Die Neuausgabe seines ersten großen Städtebuchs erinnert an dieses untergegangene Moskau und schildert in einem neuen Essay den Umbruch der letzten Jahrzehnte, der auch das Lebensgefühl in der Metropole Russlands verändert hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011
Dieses Buch ist längst ein Klassiker, meint eine spürbar mit dem Band einverstandene Rezensentin Kerstin Holm, entstanden nach einem Aufenthalt des damals noch recht jungen, seiner K-Gruppen-Vergangenheit frisch entschlüpften Historikers Karl Schlögel im Moskau der frühen achtziger Jahre. Seine Methoden der essayistisch aufbereiteten Vergangenheitsforschung hat der Autor hier schon weitgehend zur Reife entwickelt: Die Stadtgegenwart wird sozusagen archäologisch lesbar im Blick auf vergangene Stadtpläne, Telefonbücher, scheinbar banale Dokumente ähnlicher Art. Und zugleich stets im Blick bleibt die Erscheinung der Stadt in der Gegenwart, so Holm. Für die Neuauflage hat Schlögel den Band nun erweitert bis in die Jetztzeit. Einen wirklichen Freiheitsraum für die russische Kapitale kann Schlögel dabei nur in den ersten Jahren nach dem Ende des Sowjetregimes erkennen. Was man heute sehe, eine mit Werbung vollgepflasterte Stadt, werde wohl kaum jemand als vorläufig wirklich glücklichen Ausgang der Geschichte verbuchen.
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