Karl Otto Hondrich

Wieder Krieg

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518122976
Kartoniert, 200 Seiten, 9,00 EUR

Klappentext

Aus tiefster Ächtung ist der Krieg binnen kurzem wieder zu neuer Achtung gelangt: als Krieg gegen den Diktator Hussein und für das Völkerrecht, als Krieg für Menschenrechte und Selbstbestimmung auf dem Balkan, als Krieg gegen den Terrorismus weltweit. Die Karriere des Krieges innerhalb eines Jahrzehnts zeichnet das Buch nach: als eine Sensationsgeschichte, als Geschichte unserer Gefühle zum Krieg. Denn kollektive moralische Gefühle, die von vielen geteilt werden und im Konflikt zu den Gefühlen anderer stehen, sind, so Hondrich, die grundlegenden Bewegungskräfte des sozialen Lebens. "Lehrmeister Krieg" reißt uns aus unseren Gefühlsverankerungen und lehrt uns das, was wir im Frieden nicht lernen wollen. Darin liegt der "Sinn" des Krieges. Das Buch zeigt auch, wie sich die Kriege gleichen, wie sie sich erschöpfen und wie begrenzt die Macht des Krieges ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.08.2002

Karl Otto Hondrich legt seinen Thesen zu den neuesten Kriegen eine pessimistische Anthropologie zugrunde. Der Mensch will kollektive Identität, auf sie fällt er zurück, spätestens auf der Staatsebene. Fröhliche Multikultur, die Nationen gering achtet, ist mit dem so verfassten Menschen nicht zu machen. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die westlichen Staaten, die den alten Imperialismus nun durch "moralische Expansion" ersetzt hätten. Hondrich plädiert, das meint jedenfalls der Rezensent Kersten Knipp, nicht für "bequeme Vogel-Strauß-Politik", vielmehr betreibe er selbst eine Form von Aufklärung: der Westen soll sich auf seine ethischen Standards nicht zu viel einbilden und die Bedeutung der "Selbstabgrenzungstendenzen" auch in der Moderne nicht leugnen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.07.2002

Elf Beiträge zum Thema Krieg hat der Frankfurter Soziologe Ernst Otto Hondrich hier zusammengestellt, denen allesamt eine wesentliche Unterscheidung fehlt: die zwischen sozialwissenschaftlicher Analyse und publizistischer Meinungsmache, meint Rudolf Walther und bringt damit bereits deutlich sein Missfallen über diese Aufsatzsammlung zum Ausdruck. Wer spricht, fragt der Rezensent, wenn Hondrich, immerhin "auf 200 Seiten mindestens 100-mal", von "wir" schreibt? Dem Rezensenten jedenfalls wird die Unterscheidung zwischen Autor, den Deutschen, der USA oder den Usbeken nicht klar. Außerdem bemängelt Walther, dass Hondrich sein vorgestelltes "Reziprozitätsprinzip", eine Art fachsprachlich formuliertes "Wie du mir, so ich dir", an keiner Stelle definiert, noch empirisch belegt. Und "argumentative Löcher" oder "erschlichene Plausibilitäten" trachte der Autor, schimpft der Rezensent, mit dem Wort "fast" zu umgehen. Einzig einen "Einfall" Hondrichs findet Walther "nett". Der beinhaltet, so Walther, den Versuch, streitende Volksgruppen "präventiv" mit Geld zum Umzug aus dem Krisenherd zu bewegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2002

In seinem Aufsatzband über neue Kriegslust hält der Soziologe Karl Otto Hondrich gerade den Europäern einen Spiegel vor die Nase, in dem sie ein Antlitz erkennen werden, das ihnen sicher nicht gefallen wird, ist der Rezensent mit dem Kürzel "tth" überzeugt. Denn Hondrich erinnert Europa daran, dass seine "Kriegsaversion" letztlich auf einen "bloßen Reflex" auf die Niederlagen der beiden Weltkriege zurückzuführen sei, so "tth". Anhand des Golfkriegs, des Balkankriegs und des Afghanistan-Kriegs zeichne der Autor soziologische und moralische Seiten von "Kriegslust und Friedensfrust" nach und bringe mit seinen "bisweilen provokativen" Thesen "erhellende" Aspekte zu einem "düsteren Thema" zur Sprache, freut sich der Rezensent.
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