"Als ginge es um eine Wette, / wie lange man noch vorhanden" - mit diesen Worten beschrieb Karl Krolow, was ihm gegen Ende seines Lebens geschah: Bis kurz vor seinem Tod am 21. Juni 1999 schrieb er oft mehrere Gedichte an einem Tag, über 700 in drei Jahren, 150 Gedichte allein in den letzten zwei Lebensmonaten. Die "tägliche Buchung", wie er dieses Schreiben nannte, war ihm lebensnotwendig in einem ganz elementaren Sinn: es galt, sich der eigenen Existenz zu vergewissern und dem Tod - von Wort zu Wort und von Zeile zu Zeile - zu widerstehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2002
Zweieinhalb Jahre nach dem Tod Karl Krolows hat der Insel Verlag nun eine Auswahl seiner letzten Gedichte veröffentlicht, genau genommen 50 aus einem Konvolut von mehr als siebenhundert Seiten aus dem Nachlass, von Charitas Jenny-Ebeling ausgewählt und "mit einem kurzen und präzisen Kommentar versehen", berichtet Hilmar Klute. Für den Rezensenten sind diese "Reimgebilde" "Kurzprotokolle eines langen Abschieds" von einer Welt, von der der Autor am Ende nur noch "Trümmer" beschreiben konnte. Diese letzten Gedichte lesen sich, so Klute, wie die letzten Worte des "lyrischen Maitre de plaisir". Aber sie spielten auch mit einem alten Topos: "der Überlegenheit des Dichters über die flüchtigen Gegenwart".
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