Mit 26 Abbildungen. Ihre Entwicklung begann vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren in der Morgenstunde des Lebens, als es noch nicht einmal Zellen gab. Viren sind, wie die Virenforscherin Karin Mölling zeigt, keineswegs nur Feinde: Sie leisten zu unserer Entwicklung und Gesundheit wesentliche Beiträge. Selbst unser Erbgut besteht zur Hälfte aus Viren. Es gibt mehr Viren als Sterne am Himmel und es gibt sie überall. Nicht wenige sind unvorstellbar alt. Die kleinsten Viren sind hundertfach kleiner als Bakterien, die größten, sogenannte Gigaviren, die Forscher kürzlich nach 30000 Jahren im ewigen Frost wieder zum Leben erweckt haben, sind größer als viele Bakterien. Viren kennen nur einen Daseinszweck sich zu vermehren und das tun sie auf Kosten anderer. Manche Viren lagern ihr Erbgut im Kern der Wirtszelle ein und verbleiben so ein Leben lang im Körper des betroffenen Menschen. Pocken, Hepatitis B, Polio, Spanische Grippe, Aids, SARS: Gemeinhin werden Viren als Krankmacher definiert und ihr Verhalten mit Kriegsvokabular beschrieben. Dabei machen die meisten Viren gar nicht krank. Mehr und mehr werden sie sogar zu Heilungszwecken eingesetzt; so finden sie zunehmend bei Antibiotikaresistenz als Bakterienkiller Verwendung. Karin Mölling selbst entdeckte im Rahmen ihrer Aids-Forschung einen Mechanismus, mit dem es gelingen könnte, Krankheitserreger gewissermaßen in den Selbstmord zu treiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Was wir nicht alles nicht wissen über Viren, erfährt Rezensent Thomas Weber von der Virologin Karin Möller auf kompetente, einführende Weise. Die Autorin sei bemüht, den schlechten Ruf der Viren ein wenig zu korrigieren, schreibt Weber und ist schon überzeugt: Viren sind nicht nur äußerst vielfältig, sie spielen außer in Pandemien auch bei der Entstehung des Lebens und in der Medizin eine Rolle, und wir sind voll davon! Apropos Ausrufezeichen. Davon stehen im Buch entschieden zu viele, meint Weber.
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