Jutta Pilgram

Glaub mir

Cover: Glaub mir
Jaja Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783948904814
Broschiert, 248 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Zwei Mädchen, zwei Religionen - und ein Sommer, der ihr Weltbild erschüttert. Eine Neubausiedlung am Stadtrand. Hier wächst Regina in einer streng katholischen Familie auf. Unter Gleichaltrigen fühlt sie sich fremd. Erst als Malika, ein muslimisches Mädchen, in die Nachbarschaft zieht, findet sie eine Freundin. Beide brennen für ihren Glauben und suchen Halt in einer Welt voller Zweifel und Widersprüche. In ihrem Spiel verschmelzen sie Christentum und Islam zu einer geheimen Fantasie-Religion - bis Misstrauen und familiäre Zwänge ihre Freundschaft zerstören. Jahre später, in Ägypten, begegnen sich die beiden wieder. Was ist damals wirklich geschehen? Zwischen Tempeln, Gräbern und alten Verletzungen wächst die Erkenntnis: Freiheit beginnt dort, wo der Glaube aufhört, Angst zu machen. Die Graphic Novel zeigt, dass Dogmatismus bei Christen und bei Muslimen ganz ähnliche Formen annehmen kann. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.09.2026

Rezensent Christoph Haas lernt in Jutta Pilgrams Comic, was religiöse Orthodoxien bei Jugendlichen "anrichten" können: Es geht um die beiden Mädchen Regina und Malika und ihre Familien, die Anfang der 1990er Jahre in einer deutschen Großstadt leben. Reginas Familie war früher bei einer fundamentalistischen Freikirche, die sie zwar verlassen, deren Fanatismus sie aber nicht ganz abgelegt haben, lesen wir. Malikas Eltern sind fromme Muslime, die den Ramadan und die fünf Gebete jeden Tag einhalten. Trotz der verschiedenen Glaubensrichtungen sind die beiden Mädchen sich sehr ähnlich, in beiden Familien wird der Körper, insbesondere der weibliche, argwöhnisch beäugt: Wenn eine Frau ihre Tage hat, muss das verheimlicht werden, sie gilt als schmutzig, erklärt Haas. Er liest von zwei Freundinnen, die ihre Andersartigkeit mit "kompensatorischem Stolz" tragen, die sich den Himmel und das Paradies ausmalen und sich gegenseitig zeigen, wie ihre Gottesdienste funktionieren. Pilgrams auf eingehender Recherche beruhender Comic erinnert den Kritiker dabei an den Schwarz-Weiß-Stil von Marjane Satrapi, ihre Figuren sind minimalistisch mit dicken Konturen, und doch ist alles, was sich innerlich abspielt, etwa Albträume und Fantasien, detailreich dargestellt. Es scheint"wie Schabkarton", ist aber auf dem Tablet entstanden, erklärt Haas. Diese Mischung hebt die Widersprüche in Reginas und Malikas Leben auf die zeichnerische Ebene: Sie sind irgendwo zwischen normalen Mädchen und dem Aufwachsen in intensiv erlebten anderen Welten.

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