Aus dem Englischen von Barbara Brennwald. Vor dem Haus steht der Kirschbaum in voller Blüte. Ein Junge schaut vom Fenster aus zu, wie Kinder auf Rollbrettern vorbeisausen. Ob er das auch könnte? Lebhaft malt der Junge sich aus, wie es wäre, selbst auf so einem Brett zu stehen. Als ihn die Mutter kurze Zeit später mit einem Rollbrett überrascht, gib es kein Halten mehr. Er übt auf dem Spielplatz, er übt auf dem Pausenhof. Er fällt und steht wieder auf, während die Mutter aus immer größerer Distanz zuschaut. Dann kommt der Tag, an dem er sich in den Skatepark traut. Allerdings: Es braucht Mut, sich in den Strom der geübten Skater zu begeben, die mit Schuss über die Bahn krachen. Doch es gibt Platz für alle, und so ist der Junge nicht lang allein. Los geht's! Oder: haw êkwa, wie es in der Sprache der indigenen Cree Kanadas heißt.Jeden Tag traut er sich etwas mehr, und als der Baum vor dem Haus sein grünes Blattkleid trägt, ist es die Mutter, die aus dem Fenster schaut. "Wieder da!", ruft der Junge ihr zu, wenn er von seinen Ausflügen auf dem Brett heranrollt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 14.03.2026
Vergnügt liest sich Rezensentin Eva-Christina Meier durch drei neue Kinderbücher von Enne Koens, Andreas Greve und Julie Flett. Die Autorin Julie Flett gehört zur kanadischen indigenen Cree-Community, lesen wir, und erzählt, inspiriert von der Kindheit ihres eigenen Sohnes, "von kleinen Lernschritten" und "großen Veränderungen". Der kleine Junge in ihrem Buch ist fasziniert von den Skatern, die er auf der Straße beobachtet, und bald schon steht er selber auf den Brettern. Das geduldige Üben des Jungen und seine ersten Erfahrungen auf dem Skate-Platz zeigt Flett in farbigen Illustrationen und einer Mischung aus Zeichnung und Gouache-Technik, erklärt die angetane Kritikerin. Auch, dass Flett den Skateplatz als positiven Ort der Gemeinschaft und Begeisterung zeigt, ohne "Posertum", gefällt der Kritikerin gut. Ein bisschen Cree-Sprache kann Meier auch noch lernen, na dann: "Haw êkwa!" (Los geht's).
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