1872, München: Mehr als 30.000 Menschen in München und Umgebung verlieren ihre Ersparnisse. Existenzen und ganze Gemeinden sind urplötzlich ruiniert, unzählige Menschen nehmen sich das Leben.
Schuld ist eine Frau: Adele Spitzeder. Vollkommen mittellos und als Schauspielerin gescheitert gründet sie im Jahr 1869 die 'Dachauer Bank' und wird damit zur Urheberin des größten Schneeballsystems im ganzen Kaiserreich. In ihrer Privatwohnung stapelt sie die Geldsäcke ungesichert, eine Buchhaltung gibt es nicht. 1872 bricht das System zusammen.
Vieles kommt auch heute bekannt vor, obwohl damals Bismarck und der bayerische Märchenkönig Ludwig II. regierten: die Leichtgläubigkeit bei schnellen Gewinnversprechen, die Relevanz gelungener Öffentlichkeitsarbeit und die Entstehung von Investmentblasen ohne die notwendigen Sicherheiten. Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, aber sie reimt sich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2018
Philip Plickert ist skeptisch, was den Superlativ des größten Bankbetrugs aller Zeiten angeht. Ansonsten kann ihm Julian Nebel allerdings glaubhaft einen Banken-Skandal à la Ponzi vor Ponzi vermitteln, der für Plickert besonders bitter ist, da die gewiefte Adele Spitzeder vor allem arme Leute um ihr Geld prellte. Wie der Autor all das milde ironisch und mit Sinn für die historischen Hintergründe des Schwindels berichtet, findet der Rezensent faszinierend und abstoßend zugleich.
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