Julian Barnes

Lebensstufen

Cover: Lebensstufen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2015
ISBN 9783462047271
Gebunden, 144 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes' neues Buch handelt von Ballonfahrt, Fotografie, Liebe und Trauer. Davon, dass man zwei Menschen oder zwei Dinge verbindet und sie wieder auseinanderreißt. Barnes schreibt über die menschliche Existenz - auf der Erde und in der Luft. Wir lernen Nadar kennen, Pionier der Ballonfahrt und einer der ersten Fotografen, die Luftaufnahmen machten, sowie Colonel Fred Burnaby, der zum eigenwilligen Bewunderer der extravaganten Schauspielerin Sarah Bernhardt wird. Und wir lesen über Julian Barnes' eigene Trauer über den Tod seiner Frau. Ein Buch über das Wagnis zu lieben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2015

Mit einiger Verspätung bespricht Rezensentin Stefana Sabin Julian Barnes unter dem Titel "Lebensstufen" erschienenes Buch, das drei Essays über Liebe und den Verlust des Lebenspartners enthält. Ergriffen, trotz oder gerade wegen Barnes' Gespür für Distanz, liest die Kritikerin, wie der Autor in einer gelungenen Mischung aus Selbstreflexion, Verzweiflung und Ironie den Tod seiner 2008 verstorbenen Ehefrau und die neue Einsamkeit verarbeitet und sich als Witwer neu erfindet. Auch die beiden inhaltlich und emotional miteinander verknüpften Essays - über den Fotografen und Ballonfahrer Nadar und die fiktive Liebesaffäre der Schauspielerin Sarah Bernhardt mit dem Abenteurer Fred Burnaby haben der Rezensentin gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2015

Rezensentin Sylvia Staude staunt, wie gekonnt es Julian Barnes gelingt, in seinem neuen, schmalen Buch "Lebensstufen" eine Vielzahl von Geschichten und Gedanken unterzubringen, ohne je den Faden oder ein überflüssiges Wort zu verlieren. Und so liest sie hier zunächst vom Ballonflug, seinen Erfindern, ersten Ballonfahrern wie Felix Tournachon, genannt Nadar, Fred Burnaby oder Sarah Bernhardt. Während Barnes ersteren nutzt, um auch einen kurzen Ausflug in die Geschichte der Fotografie zu unternehmen, dichtet er den beiden letzteren hier eine Liebesgeschichte an und schafft es doch, all das hervorragend miteinander zu verknüpfen, versichert Staude. Schließlich münden die beiden ersten Teile in einen ergreifenden, aber nie sentimentalen Essay über den Umgang mit dem Krebstod seiner geliebten Frau Pat Kavanagh; auch Anklagen an all jene, die ihm später feige auswichen, finden sich hier, berichtet die Kritikerin. Ein wunderbares Buch über die Liebe, das alle Gattungsgrenzen sprengt, schwärmt Staude.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2015

Rezensentin Felicitas von Lovenberg kann dem Zitat eines englischen Kritikers über Julian Barnes im englischen Original bereits 2013 erschienenes Buch "Lebensstufen" nur zustimmen: Ein "Taj Mahal aus Papier" liest sie hier, und bei all der in diesem Buch verarbeiteten Liebe zu Barnes' Frau Pat Kavanagh und der überdimensionalen Trauer über ihren Tod im Jahre 2008 traut sich die Kritikerin kaum ein kritisches Wort zu verlieren. Denn dieses Buch, das unter anderem zwei Essays und Anekdoten über die Pioniere der Ballonfahrt, über Nadar, Sarah Bernhardt oder Fred Burnaby, setzt der Verstorbenen, vor allem aber Barnes' Liebe zu ihr ein derart monumentales Denkmal, dass es der Kritikerin schlicht die Sprache verschlägt. Und so liest sie seitenweise unbewältigten Schmerz ohne jede Spur von Trost, Anklagen an Verständnislose und weniger Leidende und stolpert, so viel darf gesagt werden, über den ein oder anderen nicht sonderlich originellen Vergleich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.02.2015

Julian Barnes' neues Buch "Lebensstufen" hat Rezensent Alex Rühle sehr bewegt. Und das, obwohl knapp zwei Drittel dieses schmalen Bandes aus "lustvoll, lichtdurchfluteten" Schilderungen bestehen: Zunächst liest der Kritiker die herrlich abenteuerliche Geschichte um die Pioniere der Ballonfahrt, etwa Nadar, der bei einem Flug über Paris im Jahre 1858 die ersten Aufnahmen der Welt von oben machte, oder Sarah Bernhardt, die ausgelassen und berauscht von Champagner durch die Lüfte schwebte. IIm letzten Kapitel findet sich der Rezensent in der Gegenwart wieder: Ein jäher Bruch, durchaus zwar mit kunstvollen Verknüpfungen zum zuvor Geschilderten: Barnes berichtet in "karger" Prosa von seinem radikalen Schmerz über den Verlust der geliebten Ehefrau, diskret, aber düster, so dass der Kritiker plötzlich meint, ein "schwarzes Tagebuch des Schmerzes" in den Händen zuhalten. Auch wenn es für diese erschütternde Erzählung der beiden ersten Kapitel nicht bedurft hätte, hat dieses Buch bei Rühle einen tiefen Eindruck hinterlassen.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2015

Den Titel des Buches mag Alan Posener nicht aussprechen. Zu sehr erinnert er ihn an Hermann Hesses Gedicht "Stufen", für Posener eins der dümmsten Gedichte überhaupt. Also nennt er die beiden hier zusammengefassten laut Rezensent eher disparaten Essays, einer übers Ballonfahren, der andere über die Trauer über die verstorbene Frau des Autors, bei ihrem Originaltitel. Worum geht es? Laut Posener versucht Barnes hier einmal mehr historischen Bericht und persönliche Erfahrung zusammenzuführen - mit mäßigem Erfolg, wie der Rezensent befindet. Denn das freie Assoziieren, eine Spezialität des Autors, so Posener, wirkt hier angestrengt und künstlich. Ein Glück bloß, meint er, dass daraus kein Trostbüchlein geworden ist, siehe Hesse.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.02.2015

Julian Barnes' "Lebensstufen" ist eine kleine Fluggeschichte und Trauerbuch in einem, berichtet Susanne Mayer. In drei Abschnitten entwirft Barnes knapp die Biografien dreier Pioniere der Heißluftballon-Fliegerei, erzählt eine Liebesgeschichte, die sich zwischen zweien von ihnen entwickelt, und sinniert über die Eigenart der Liebe, die mit dem Tod nicht enden will, fasst die Rezensentin zusammen. Das Buch schwebt unentschlossen zwischen Barnes' sprachlicher Leichtigkeit und dem emotionalen Gewicht des Themas, erklärt Mayer.