Julia Wolf

Walter Nowak bleibt liegen

Roman
Cover: Walter Nowak bleibt liegen
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783627002336
Gebunden, 200 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Jeden Tag schwimmt Walter Nowak seine Bahnen im Freibad. Eines Morgens bringt eine Begegnung ihn aus der Fassung, mit fatalen Folgen: Der Länge nach ausgestreckt findet er sich wenig später auf dem Boden seines Badezimmers wieder, bewegungsunfähig und auf sich allein gestellt. "Von nun an geht es abwärts, immer abwärts", schießt es ihm durch den Kopf. Zunehmend verliert er die Kontrolle, Gedankenfetzen, Bilder aus der Vergangenheit stürzen auf ihn ein: das Weihnachtsfest mit seiner ersten Frau Gisela, ihr Schweinebraten, ihre Tränen; der Blick seines Sohnes Felix, als er von der Trennung erfährt; Erinnerungen an seine eigene Kindheit als unehelicher Sohn eines GIs; und, vor kurzem, eine Diagnose seiner Ärztin. Während nach und nach alles vor seinen Augen verschwimmt, ziehen seine Gedanken immer engere Kreise, nähern sich einem verborgenen Zentrum, dem Anfang, dem Ende ... Als das Hitzegewitter endlich losbricht, steht plötzlich sein Sohn Felix vor der Tür. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.08.2017

Hans-Peter Kunisch muss ein bisschen warten, bis Julia Wolfs Roman eine zeitgeschichtliche Dimension entfaltet, über die laut Kunisch etwas mau ausfallende satirische, mehr klischeelastige Erzählung einer Kleinbürger-Existenz hinaus. So langweilig und überflüssig ihm der Gedankenstrom des Protagonisten zu Beginn vorkommt, so überrascht scheint der Rezensent, als dieser tragikomische "geile Alte" doch noch so etwas wie Tiefe bekommt, als Prototyp der Nachkriegszeit nämlich. Da folgt Kunisch dem "brav heruntererzählten" Roman dann doch mit einiger Aufmerksamkeit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.06.2017

Rezensentin Wiebke Porombka kann Julia Wolfs neuem Roman "Walter Nowak bleibt liegen" nicht viel abgewinnen. Die Geschichte um einen ebenso selbstgefälligen wie ignoranten, gegen Kriegsende geborenen Rentner, der noch immer an seine überholten Tugenden und seine Attraktivität glaubt, erscheint der Kritikerin nicht besonders nuanciert. Wenn Wolf etwa erzählt, wie der Alte beim Schwimmwettkampf mit einer jungen Frau aus der Bahn geworfen wird, beschleicht Porombka zudem das Gefühl, hier soll jemand schlicht vorgeführt werden. Stereotype und "quietschenden Herrenwitz", beklagt die Rezensentin, die der Roman auch sprachlich ziemlich nervt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2017

Sandra Kegel kann bloß staunen über die Fallhöhe, die Julia Wolf ihrem Antihelden zumutet. Dass ein Ex-Alphamännchen wie Wolfs Pensionär Walter Nowak nicht bemerkt, wie lächerlich dated sein Verständnis von Geschlechterverhältnissen ist und wie wenig er noch dem Selbstbild vom tollen Hecht entspricht, findet sie dagegen durchaus nachvollziehbar. Toll, wie Wolf in diesem zweiten Teil ihrer motivisch zusammengehaltenen Amerika-Trilogie dieses Leben unter falschen Vorzeichen entfaltet, meint sie. Bemerkenswert findet Kegel nicht nur, wie hier männliche Machtstrukturen demontiert werden, auch Wolfs sprachliches Geschick und ihr mythologisches Wissen von Narziss im Spiegel bereichern den Text für Kegel und sorgen für einen unwiderstehlichen Sog.
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