Alle verfallen ihr. Sie geht selbstbewusst durch die Straßen in ihrem Glanz, zieht magisch die Aufmerksamkeit auf sich. Ruth. Ruth ist ein ganz besonderer Mensch. Sie kommt mit einem Fell zur Welt wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter, am Ende der Kindheit verliert sie es. Und Ruth hat "die Kraft". Sie kann Gewitter aufziehen lassen, Bäche zum Versiegen bringen, Dinge bewegen. Aber vor allem kann sie Menschen in Tiere verwandeln, vorübergehend. Und die Menschen strömen zu ihr, wollen Qualle sein auf Zeit, Languste, Hund, Vogel, Echse und dabei die Rechnungen vergessen, die Sitzungen im Büro, den Haushalt, das ganze moderne Leben. Ruth teilt ihre Kraft mit jedem einzelnen Menschen, sie sehen bei ihr das Glück, sehen, was sein könnte und nicht ist, was sie vergessen haben und jetzt vermissen. Und sie hilft mit ihrer Kraft auch denen, die Gewalt erleben. Aber dann kommt Linda, die große, schöne Linda. Die verheiratete Linda. Was soll jetzt werden?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2026
Zehn Jahre hat Julia Weber an ihrem neuen Roman gearbeitet, erfährt Rezensentin Leonie C. Wagner im Gespräch und das Warten hat sich gelohnt: Ihre Protagonistin Ruth wird mit einem Fell geboren, oszilliert zwischen Mensch und Tier und kann auch Menschen in Tiere verwandeln. Von Außenstehenden wird sie mal als Wunder, mal als Hexe betrachtet, erzählt uns die Kritikerin. Sie ist fasziniert von der Mischung aus Fakt und Fiktion, das Erzählte erscheint ihr mitunter "wie ein schwerer Traum". Im Gespräch stellt sich für Wagner heraus, dass Weber nach wie vor eng mit ihrer Protagonistin Ruth verbunden ist: Das Tierische an Ruth wird auch zum Intimen, wenn im Fell getastet wird oder wenn sie spürt, dass im Gebüsch tuschelnde Menschen sich nichts sehnlicher wünschen, als in Schmetterlinge verwandelt zu werden und zu fliegen, ein Wunsch, den sie mit ihrer Gabe sofort erfüllen kann. Das enge Verhältnis, das die Autorin zu ihrer Figur hat, macht den Text sehr persönlich, fügt die von Buch und Begegnung merklich angetane Kritikerin noch an.
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