In Zeiten globaler Unübersichtlichkeit hat die Rede von kulturellen Unterschieden Hochkonjunktur. Während die einen den Kampf der Kulturen bestätigt sehen, machen sich andere für den Dialog der Kulturen stark. Der Band fasst beide Szenarien als komplementäre Strategien, die eine kontingente Welt durch die Verortung kultureller Identität buchstäblich in Ordnung bringen. Ganz im Sinne der postkolonialen "Theorie unterwegs" belässt die Autorin es aber nicht bei der reinen Dekonstruktionsarbeit, sondern macht sich auf die Suche nach 'anderen' Möglichkeiten der Verortung. Damit lädt sie zu einer Reise ein, die vom partikularistischen Weltbild kultureller Gegensätze über das universalistische Weltbild des kulturellen Ausgleichs hin zu einer 'anderen' Geographie der Welt führt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.09.2002
Die Geografie ist - jedenfalls, wenn man der Autorin glaubt - eine der letzten Bastionen der Ontologie, die Vertreter dieser Wissenschaft sind noch der Ansicht, es mit "Fakten" statt mit Konstruktionen zu tun zu haben. Damit will Julia Lossau aufräumen: mit poststrukturalistischer, systemtheoretischer Theorie, mit "Nietzsche, Benjamin, Foucault" rückt sie dem Essentialismus zuleibe, arbeitet an der Auflösung "homogener Identitäten" und plädiert für das Hybride. Die Rezensentin Britta Hermann hält das Unternehmen - bei aller offenkundigen grundsätzlichen Sympathie - für bestenfalls teilweise geglückt. Allzu ruppig verfahre Lossau selbst, allzu vereinnahmend und entdifferenzierend in ihrem eklektizistischen Rückgriff auf verschiedene Theorien, gerade das Entscheidende lasse sie vermissen: "Spracharbeit".
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