Michel Wieviorka

Kulturelle Differenzen und kollektive Identitäten

Cover: Kulturelle Differenzen und kollektive Identitäten
Hamburger Edition, Hamburg 2003
ISBN 9783930908905
Gebunden, 246 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Franzöischen von Ronald Voullie. Selbst innerhalb der modernsten Gesellschaften bleiben kulturelle Differenzen nicht nur erhalten, sondern sie vervielfältigen, verstärken und erfinden sich neu. Damit wird der strikte Gegensatz zwischen Universalismus und Partikularismus hinfällig. Mit dieser These im Gepäck wirft Michel Wieviorka im ersten Teil seines Buches einen Blick zurück auf die theoretischen und politischen Versuche, mit der Herausforderung der neuen kulturellen Differenzen fertig zu werden: nämlich auf die Kommunitarismus-Debatte einerseits und die multikulturalistische Politik andererseits.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.01.2004

Diesem Buch des französischen Soziologen Michel Wievorka kommt das Verdienst zu, "mehr Klarheit" ins "allseitige Durcheinander" um das Begriffspaar Identität/Differenz zu bringen, lobt Rudolf Walther. "Vorbildlich" gelinge Wievorka dies vor allem im Falle der "kulturellen Identität". Außerdem findet Walther die "pragmatische Nüchternheit" bestechend, mit der der Autor über die Probleme multikulturellen Zusammenlebens nachdenkt. Im einzelnen hebt der Rezensent dann vor allem hervor, dass Wievorka unter Berufung auf Nancy Fraser für eine "Rückkehr des Sozialen" plädiert. Der Rezensent gibt die entsprechende These so wieder, dass nach Wievorka "kulturelle Identitäten" unter modernen Bedingungen sehr weitgehend frei gewählt werden könnten, und nur massiv benachteiligten Gruppen diese Möglichkeit nicht offen stehe - weshalb "die Konjunktur von Identitätskonstruktionen" in reichen Gesellschaften dann geradezu einen "Index für das wachsende Konfliktpotential zwischen unten und oben" darstelle.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2003

Der französische Soziologe Michel Wieviorka hat eine ausgewogene Studie über die Probleme multikultureller Gesellschaften erstellt, der Kersten Knipp ihren Respekt nicht verweigern will, auch wenn sich der Verfasser der Studie nicht zu einer Schlussfolgerung durchringen konnte. Knipp nimmt dies als Zeichen wissenschaftlicher Redlichkeit. Brav soll der Verfasser die wichtigsten amerikanischen Forschungen referieren. Weder ergreife Wieviorka Partei für die Kommunitaristen, also die Seite, erklärt Knipp, die die Wahrung kultureller Eigenheiten als Voraussetzung für eine Integration erachtet, noch für die Liberalisten, denen die Rücksichtnahme auf Tradition eher hinderlich erscheint. Es gibt "keinen Königsweg zum Staatsbürgertum", lautet seine Erkenntnis, dafür ist die Wirklichkeit viel zu komplex. Eine weitere traurige Einsicht dieses klugen Buches heißt, erklärt Knipp, dass hier im Westen ein gewisser Obskurantismus Einzug gehalten hat, der sein Heil im kulturell Fremdartigen und Exotischen sucht. Das seien Modeströmungen, referiert Knipp, die nicht darüber hinwegtäuschen dürften, dass es "keine kulturelle Differenz ohne Erniedrigung und Herrschaft gibt".
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