Julia Deck

Privateigentum

Roman
Cover: Privateigentum
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783803113566
Gebunden, 144 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Antje Peter. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Schicksal des roten Katers ist schrecklich. Aber das der übrigen Figuren in dieser bitterbösen Geschichte nicht minder. Charles und Eva Caradec sind in die Vorstadt gezogen, um etwas Platz zu haben und im Grünen zu leben. Das Heizsystem wird aus erneuerbarer Energie gespeist, das Abwasser ebenso wie der Kompost recycelt. Und hinter den frisch verputzten Fassaden belauern sich die Nachbarn bald gegenseitig. Sie überwachen und strafen einander, es entstehen Intrigen und Affären. Die gemeinsamen Grillabende können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Versprechen dauerhaften Glücks nicht im Neubaugebiet liegt, und als eine Nachbarin spurlos verschwindet, scheint die Katastrophe unabwendbar.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.01.2021

Für Rezensentin Marielle Kreienborg erweist sich die französische Autorin Julia Deck mit diesem Roman einmal mehr als spöttische Beobachterin bourgeoiser Bizarrerien. Wenn sie von der Stadtplanerin Eva erzählt, die mit ihrem depressiven Ehemann in ein Ökoviertel am Pariser Stadtrand zieht, erweist sich die ethisch korrekte Neubausiedlung ziemlich bald als Vorhölle der Heuchelei, frohlockt die Rezensentin, die auch dank der unzuverlässigen Ich-Erzählerin Eva mit großem Vergnügen den "banalen Ungeheuerlichkeiten" dieser Szenerie gefolgt ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.12.2020

Man kann die Kritikerin Cornelia Geißler geradezu kichern hören über das hier ausgebreitete Milieu, seine Konflikte, Schwächen und untergründigen Aggressionen. Sehr "fein" hat die Übersetzerin diesen französischen Sound wiedergegeben, findet sie, und bemerkt, hier werde neben einer gewissen Krimispannung immer auch "Ironie und Sarkasmus" gepflegt. Der Versuch der hier vorgestellten Vertreter einer neuen Mittelschicht, klimaneutral zu leben, wird ebenso mit Spott beträufelt wie der gleichzeitig unterschwellig vorhandene Rassismus bloßgelegt, urteilt sie. Viele Themen und Stimmungen in einem kleinen Buch, so die erfreute Kritikerin und applaudiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

Rezensent Alex Rühle liebt die "feinen, fiesen Meisterwerke" der französischen Autorin Julia Deck. Entsprechend gern begibt sich der Kritiker in Decks neustes Romangebäude, ein helles, buchsbaumumsäumtes Einfamilienhäuschen im Pariser Umland, in dem die Urbanistin Eva und ihr Mann, der misantrope Privatier Charles, sich so lange über ihr bourgeoises Glück freuen bis ein abgeschnittenes Ohr im Garten und ein toter Kater auf der Straße liegen. Viel mehr will der Rezensent nicht über die Handlung verraten, aber hier ist nichts, wie es scheint, und der Leser sollte besser auf jedes Indiz achten, damit er sich in diesem so bösen wie "hochintelligenten Textlabyrinth" nicht verirrt, schließt Rühle.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.09.2020

Maike Albath empfiehlt Julia Decks Roman allen Reihenhausbesitzern. Die Vorstadthölle der gepflegten Gärten, der Nachbarschaftspartys und Seitensprünge kann niemand so ätzend scharf in Szene setzen und offenlegen wie Deck, versichert die Rezensentin. Wie die Autorin dabei mittels einer unzuverlässigen Erzählerin dauernd falsche Fährten auslegt, den Spürsinn der Leser fordert und eine Schlamassel-Orgie sondergleichen in Gang setzt, scheint Albath unterhaltsam. Meisterlich erscheinen ihr die Lakonie und der Rhythmus der Erzählung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2020

Rezensent Cornelius Wüllenkemper findet einen literarischen Ansatz, der die "Vorläufigkeit der Weltbetrachtung" mitdenkt, hochaktuell. So erscheint ihm auch Julia Decks neuer Roman in der Tradition der "Ecole de Minuit" eine zeitgemäße Behandlung des Themas Ökotopie zu sein. Dass die Verwirklichung des Traums vom Eigenheim im Grünen mit Biogas und Kompost seine Tücken hat, erfährt Wüllenkemper hier auf rasante Weise. Mord und Brandstiftung und die "zahlreichen Fährten" und alternativen Sichtweisen aufs Geschehen, die die Autorin auslegt, machen aus dem Text für den Rezensenten eine "subtil-ironische", doch konkrete Gesellschaftskritik, die den Vorwurf des Elitismus auf anspruchsvolle Art widerlegt.
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