Jürgen Becker ist die graue Eminenz der deutschen Gegenwartsliteratur, leise, überragend. Über fast fünf Jahrzehnte hinweg hat er das Kunststück fertiggebracht, sich selbst und seiner Sicht der Dinge auf der Spur zu bleiben und doch mit jedem neuen Buch einen eigenen Schreibansatz neu zu finden und zu erproben - in der vorliegenden Auswahl ist sein erzählerisches Werk neu zu entdecken. Die Zeit, das Zeitvergehen hat in diesem Werk mitgeschrieben, Jürgen Becker ist auch ein Chronist der Befindlichkeiten der Nachkriegsjahrzehnte. Die Wiedervereinigung bescherte ihm spät noch das Glück und die Herausforderung, den verdrängten ostdeutschen Kindheitsjahren nachzuspüren und das eigene Leben, wie stellvertretend, neu zusammenzufügen. Sein Werk erscheint heute beispielhaft für ein Schreiben, das die Erfahrungen mit der Wirklichkeit in sprachlichen Vorgängen reflektiert. Es hat eine eigene, unverwechselbare Gestalt gefunden; es spricht mit einer Stimme, die eindringlich ist und unüberhörbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2012
Anlässlich des heutigen 80. Geburtstags des Lyrikers und Erzählers Jürgen Becker hat Mirko Bonné gleich zwei neue Bücher des Autors anzuzeigen. Der Prosaband "Wie es weiterging" mit Texten aus 50 Jahren überzeugt den Rezensenten durch sprachliche Eleganz und seine gelungene Komposition. Mit der Figur des Jörn Winter, Beckers Alter ego seit seinem Buch "Aus der Geschichte der Trennungen" von 2001, meint der Rezensent, habe der Autor "seinen Erzähler" gefunden, um von den Mechanismen des Erinnerns und den Schmerzen der Vergangenheit zu berichten.
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