Jürgen Becker

Im Radio das Meer

Journalsätze
Cover: Im Radio das Meer
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518421086
Gebunden, 245 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Mit diesem Buch bewegt sich Jürgen Becker im Grenzbereich der literarischen Möglichkeiten. Nach dem Journalroman "Schnee in den Ardennen" und den Journalgeschichten "Die folgenden Seiten" verbleiben nur mehr Journalsätze, die der Strom der Wahrnehmungen, Erinnerungen und Imaginationen zurücklässt. Es sind Sätze, auf die sich, in Partikeln, eine ganze Biografie reduziert. Die den Augenblick mit einer Geschichte versehen, deren Vergangenheit im Ungesagten bleibt. Die Erfahrungen konzentrieren, auf die ein Gedicht oder romanhaftes Erzählen warten könnte. Es sind Sätze, die zufällig entdeckt oder nach langen Recherchen in der Bewusstseinslandschaft entstanden sind. Die das Banale wie das Absurde benennen, das Naheliegende und das Entfernte, die Verstörungen der Kindheit und die Irritationen des Alters. Jürgen Beckers Konzept, journalhaft auf die oft so irreal erscheinende Wirklichkeit zu reagieren, kommt hier zu einer rigorosen Konsequenz: der Minimalisierung des Schreibens.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2009

Einen Handke-Apostel nennt Roman Luckscheiter den Autor der hier versammelten Beobachtungen und Gedanken. Das ist nicht bös gemeint, nur im Hinblick auf Jürgen Beckers wie auch Handkes romantischen Erfahrungs- und Weltbegriffs gesagt. Wenn Becker letzte Gewissheiten aus der Küche oder übers Landleben zum Besten gibt und mit Sturheit und Lakonie und auch mit Witz seine Registrierschule betreibt, hat Luckscheiter manchmal den Eindruck von Willkür. Dass er damit wohl nicht richtig liegt, ahnt er allerdings auch. Uns gibt er den Hinweis auf eine strenge innere Ordnung der Texte, eine feingliedrige Kompositionsstruktur dieser Sammlung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2009

Vor diesen Journalsätzen "Im Radio das Meer" " gab es schon den Journalroman und die Journalerzählungen, und Rezensent Martin Oehlen hat alles gelesen und geht in seiner Kritik detailliert darauf ein, wie sich was bei Becker woraus ergeben hat. Für Neueinsteiger ist dieses hermetische System nicht ganz leicht zu durchdringen. Was wir vom Rezensenten jedoch erfahren, ist, dass sich Beckers Miniaturen, Beschreibungen, Erinnerungen in diesem Buch tatsächlich meist auf einzelne Sätze beschränken (Wildgänse schreien, im Keilflug nach Norden"). Diese ergeben jedoch, versichert Oehlen, mehr als nur ein Mosaik, nämlich ein "großes Konzert".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.10.2009

Rezensent Nico Bleutge beobachtet mit Spannung, wie Jürgen Becker seine Hinwendung zur immer knapperen Form in seinem jüngsten Buch zu einem neuen Höhepunkt treibt. Der vorliegende Band bietet nurmehr Sätze, mitunter lediglich aus zwei Wörtern bestehend, die die assoziative Weltwahrnehmung des Autors für die "Projektionen" seiner Leser öffnen, wie der Rezensent meint. Becker geht es, folgt man dem Rezensenten, um Möglichkeiten, die verschiedenen Wahrnehmungsschichten festzuhalten, in denen sich Beobachtungen, Assoziationen, Erinnerungen oder Reflexionen überlagern und mischen. Das überzeugt Bleutge an vielen Stellen durch die schiere "Präsenz der Momente". Ihm fällt zudem auf, wie subtil der Autor bei scheinbarer Gleichzeitigkeit und Zeitlosigkeit doch "Spurenelemente eines zeitlichen Ablaufs" eingewoben hat. Nur wenn sich die Notate auf Mitteilungen wie "Mittags Apfelpfannekuchen" beschränken, verliert Beutge die Lust. Doch sind solche Schlichtheiten die Ausnahme, versichert er.
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