S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783103977646 Gebunden, 160 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach. In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf.
Rezensent Adam Soboczynski ist durchaus Fan von Judith Hermann, deren neues Buch er eine Woche vor Erscheinen bespricht. Allein ihr Gespür für das Unheimliche, Schauerliche will zum Thema dieses Buches nicht passen, bemerkt der Kritiker: Ziemlich spät begibt sich Hermann hier auf die Spuren ihres Großvaters, ein im polnischen Radom stationierter SS-Mann, über den wenig bekannt ist - verließ er die Familie doch bereits als Hermanns Mutter gerade mal zehn Jahre alt war. Die Autorin reist nun selbst nach Radom und befragt zudem immer wieder ihre Mutter, die ihr allerdings vorwirft, den unbekannten Großvater zu "literarisieren". Und genau das tut Hermann, vor allem, wenn sie die Grenze zwischen Fakt und Fikton immer wieder verwischt oder das Rätselhafte, ja den Grusel, der den unbekannten Großvater umgibt, herausstreicht, meint Soboczynski. Das kann man durchaus "anstößig" nennen, schließt er.
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