Ein Roman über die Verwicklung unschuldiger Menschen in politische Intrigen, Machtkämpfe, falsch verstandenen Patriotismus und irregeführte Kameradschaft. Als Hintergrund seiner Geschichte wählte der auch als Lyriker bekannte Südtiroler Autor Sepp Mall die Ereignisse der sechziger Jahre in Südtirol, als der Kampf um eine Autonomie in mehrere Anschlagserien gipfelte, bevor die italienische Staatsmacht zu Zugeständnissen bereit war. Mall erzählt abwechselnd aus der Perspektive eines kleinen Jungen, dessen Vater aus für ihn unerklärlichen Gründen verhaftet wird und später auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, und aus der Sicht einer jungen Frau, deren sprachgestörter Bruder Opfer eines missglückten Bombenattentats wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2004
Zwar thematisiert Sepp Mall in seinem neuen Roman die Konflikte im Südtirol der 60-er Jahre, eine "bloß verzögerte Literarisierung" des Nationalitätenkonflikts ist sein Buch dennoch nicht, findet Rezensent Paul Jandl. Zwei parallele Geschichten erzählt Mall - die eine vom Vater und politischem Aktivisten, der von einem Aufenthalt im Mailänder Gefängnis als schweigender Verräter zurückkehrt, die andere von einem Stotterer, der in die Gesellschaft Südtiroler Militanter gerät und bei einem Attentat stirbt. Beide Handlungsstränge führt der Autor mit "exakt dosierter Spannung" aufeinander zu und zeigt dabei dem Leser "genau jene Übergänge", in denen "ungelöst Privates unversehens öffentlich wird." Kleine Anflüge überflüssiger Melodramatik könne man leicht verzeihen - Malls ansonsten "schnörkellose" Sprache, mit der er die damalige Tristesse "greifbar" werden lässt, macht für Jandl derartige Mängel leicht wieder wett. Und so hofft der Rezensent, dass Mall mit dem neuen Roman endlich richtig "bekannt" wird.
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