Klappentext

Aus dem Französischen von Lydia Dimitrow. Es ist heißer August. Auf den französischen Autobahnen, in den trostlosen Raststätten, auf den Ruheplätzen für Fernfahrer, den Arbeitsplätzen der Prostituierten, ist viel Betrieb: Touristen, Pendler, Liebespaare, die die Anonymität der Motels schätzen - aber auch Menschen mit anderen Zielen, wie Pierre, ehemaliger Gerichtsmediziner, der seinen Job aufgegeben hat und als rastloser Beobachter Spuren seiner vor Monaten entführten Tochter Lucie zu finden hofft, oder Pascal, ein auf den ersten Blick unscheinbarer Angestellter, der in einem Autobahnrestaurant das Essen ausgibt. Sylvie und Marc sind mit ihrer Tochter Marie unterwegs in die Ferien. Beim Halt an einer Raststätte macht sich Marie selbständig und begibt sich auf einen Rundgang. Sie kommt nicht mehr zurück. Die Polizei geht von einer Entführung aus. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2019

Hannes Hintermeier prophezeit Joseph Incardona Erfolg bei hiesigen Krimilesern. Nur zart besaitet sollten sie nicht sein, rät er. Denn Incardona spart nicht mit Drastik, Blut, Kot, Urin, Alkohol in seiner Geschichte um einen serienmordenden Autobahnraststättenkoch. Dass der Autor es zugleich schafft, die anonyme Welt der Raststätten zu beleben, wenngleich mit lauter Seltsamkeiten und Widerlichkeiten, scheint Hintermeier bemerkenswert. Müll, Clans, Hehler und die schiere Kreatürlichkeit schlagen Hintermeier aus den Seiten entgegen. Stilistisch bedient der Autor laut Rezensent konsequent das Genremittel Tempo. Wenn er dabei manchmal ins Sentenziöse abrutscht, findet Hintermeier das verzeihlich.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.05.2019

In Joseph Incardonias "Asphaltdschungel" spielen "Blut und Tod" die Hauptrolle - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, freut sich der überraschte Rezensent Tobias Gohlis. 2015 auf einer Autobahn: Ein verzweifelter Vater sucht den Entführer seiner Tochter. Die altbekannte Krimi-Trias aus Täter, Jäger, Polizei kommt also auch hier zum Einsatz. Hauptakteure hingegen sind die Hinterlassenschaften des Menschen, lesen wir, seine Sekrete und Ausdünstungen, sowie die Fliegen, die von seiner Vergänglichkeit leben. Indem Incardonia die gewohnte Hierarchie umdreht, kreiert er einen völlig neuen Erzählstil, mit dem er seinen Lesern die Figuren in all ihrer Menschlichkeit nahe bringt, erklärt Gohlis. Die Autobahn dient hier als eine Art Allegorie für den menschlichen Organismus, einen sich im dauerhaften Verwesungszustand befindlichen Körper. "Ekelhaft und grausig" findet Gohlis das, und zwar auf die allerbeste Weise.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.03.2019

Rezensent Roman Bucheli annonciert mit Joseph Incardona und Quentin Mouron zwei Meister des Roman noir - die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch in wesentlichen Punkten ähneln: "Raffiniert" erzählen können beide, meint der Kritiker - und so schaut er mit den beiden Schweizer Autoren gern in die Abgünde der Seele. Während Bucheli bei Incardona über mehr als 300 Seiten hinweg der Sogkraft und Rasanz einer grausamen Mordgeschichte über entführte Mädchen verfällt, bewundert er bei Mouron Knappheit, Fantasie und Witz der Story um Drogengeschäfte in den USA.