Joseph Conrad

Nostromo

Roman
Cover: Nostromo
Manesse Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783717525738
Gebunden, 560 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Julian und Gisbert Haefs. Mit einem Nachwort von Robert Menasse.  Im späten 19. Jahrhundert ist das südamerikanische Costaguana zerrissen von politischen Konflikten in- und ausländischer Mächte. Zwangsherrschaften, Putsche, Revolutionen wechseln einander ab: Doch egal, welche Clique gerade die Oberhand hat, am grundlegenden System von Unterdrückung und Ausbeutung ändert sich nichts. Der titelgebende Held des Romans, Nostromo, eigentlich Giovanni Battista Fizanda, Exil-Italiener, einer aus dem Volk, Kraftnatur und Tatmensch, "ein Mann von Charakter" (Joseph Conrad über seinen Helden), ist einer jener nützlichen Idioten, der sich von den Herrschenden instrumentalisieren lässt. In einem seiner politischsten Romane, angesiedelt in einer fiktiven Bananenrepublik, zeigt der Modernist Conrad, wie Profitgier und Machtwille einiger weniger ein Land zugrunde richten. In der Hauptfigur Nostromo wird auf faszinierend exemplarische Weise vorgeführt, dass der Einzelne in einem korrupten, ausbeuterischen System auf verlorenem Posten steht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024

Man muss sich bei der Lektüre dieses Romans einfach treiben lassen, empfiehlt Rezensent Paul Ingendaay angesichts der von Gisbert und Julian Haefs neu besorgten Übersetzung von Joseph Conrads "Nostromo", das im fiktiven lateinamerikanischen Land Costaguana angesiedelt ist und dessen "blutige Geschichte" enthüllt. Mit den Erzählbewegungen, die stetig in der Zeit vor und zurück springen, nähert sich Conrad seinen Figuren "wie ein Staubsauger", so Ingendaay, etwa dem unterkühlten Investor Holroyd oder der Familie Gould, die die zentrale Silbermine betreibt. Die Figuren werden mit ausgeklügelter psychologischer Rafinesse in all ihrer Abgründigkeit und Menschlichkeit geschildert, so Ingedaay - also Zeit, diesen großen Roman neu zu entdecken, der zu seinem Erscheinen 1904 ein Misserfolg war, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.08.2024

Mit der Neuübersetzung von Joseph Conrads Roman über Nostromo, den Hafenarbeiter und treuen Zuarbeiter der herrschenden Klasse in der Hafenstadt Sulaco, wird laut dem Rezensenten Tobias Lehmkuhl einmal mehr deutlich, dass Conrad ein eminent politischer Autor ist. Der italienische Matrose steht im Dienst der herrschenden Europäer und von Charles Gould, dem die Silbermine vor Ort gehört; in dieser Rolle gerät er abenteuerliche Auseinandersetzungen. Allerdings machen den rassistische und kapitalistische Herrschaftsstrukturen ausleuchtenden Roman laut Lehmkuhl vielmehr die feine psychologische Figurenzeichnung und die besondere Erzählkunst Conrads denn seine vordergründige Spannung aus. Julian und Gisbert Haefs zeitgemäße Übersetzung lässt die Aktualität des Textes dem Rezensenten zufolge noch mehr hervortreten.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.08.2024

Rezensent Richard Kämmerlings liest Joseph Conrads Klassiker in neuer Übersetzung von Julian und Gisbert Haefs und stellt mit Blick auf Venezuela fest, wie aktuell das Buch ist. Die Mischung aus Abenteuerroman, Tragödie und historischem Roman geht für Kämmerlings auf, zumal sich der Text in seiner Vorstellung prima als Actionthriller mit Drohnen-Kamera-Intro verfilmen ließe mit der Titelfigur als zwischen Freiheitsliebe und Dienst an der Macht zerrissenem tragischen Helden. Erzählerisch genial findet Kämmerlings die Rückschau-Einlagen eines unzuverlässigen Erzählers, der ihm wie ein Touristenguide vorkommt, und ebenso das Zoomen auf die Abgründe von Einzelbiografien.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.06.2024

Joseph Conrad beschränkt sich nicht auf das Erzählen von Geschichten, sondern begegnet Rezensent Rainer Moritz als "Psychologe der Abenteurer", wie Robert Menasse in seinem Nachwort zu diesem Roman schreibt. "Überfällig" ist diese Neuübersetzung (besorgt von Julian und
Gisbert Haefs) von einem, wie Moritz findet, der besten Werke Conrads. Die Erzählung spielt im fiktiven Ort Sulaco im an Kolumbien angelehnten Staat Costaguena. Mit der ihm eigenen "genussvollen" Erzählweise lotet Conrad die psychologischen Nuancen seiner Charaktere aus und entfaltet einen Machtkampf, der sich um die begehrte Silbermine auf der Insel dreht. Die titelgebende Figur "Nostromo" nun, ein italienischer "Kraftprotz", so Moritz, soll im Auftrag eines Geschäftsmannes die Silberbestände in Sicherheit bringen. Seine literarische Meisterschaft beweist Conrad unter anderem in dem er Nostromo oft über Beschreibungen von Außen auftreten lässt, findet der Rezensent, der fasziniert ist von diesem Roman und dem schonungslosen Menschenbild, das er zeichnet.

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