Aus dem Amerikanischen von Viola Siegemund. Mit einem Nachwort von Dietmar Dath. Glamour, Jazz und endlose Partys: Das waren die Roaring Twenties. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit - Upton Sinclair zeigt uns die ganze. Denn während die Happy Few feierten, wurden die Massen mittels brutaler Klassenjustiz niedergehalten. Am Beispiel der einflussreichen Ostküsten-Sippe Thornwell zeigt "Boston", wie das System staatlich sanktionierter Korruption funktionierte. Als Kulminationspunkt dient der Schauprozess gegen die zwei bekanntesten Justizopfer der amerikanischen Geschichte, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die 1927 wegen Mordes hingerichtet wurden. In diesem ergreifenden Buch geht es um die moralische Glaubwürdigkeit offizieller Repräsentanten und Institutionen, um Menschenliebe und Bürgerpflicht, um Gerechtigkeit und den Mut zur Wahrheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2017
Upton Sinlairs "Boston", 1928 erstmals erschienen, nun neu aufgelegt, ist unverhohlen ideologisch und anarchistisch propagandistisch - wen das nicht stört, wird an diesem Roman sein bitteres Vergnügen haben, meint Rezensent Martin Zähringer. Der Autor, der Anfang des 20. Jahrhunderts bereits als "Staubaufwirbler" bekannt geworden war, dokumentiert hier den Prozess der italienischen Arbeiter und Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti in den USA sowie die Ermittlungen in diesem Fall, die am Ende zu einem schmutzigen Justizmord führten, lesen wir. Überaus geschickt, so Zähringer, verbindet Sinclair die skandalösen Fakten mit literarischer Fiktion, die er dazu nutzt, um den Hintergrund seines Forschungsgegenstands darzustellen - die Realität der Klassenkämpfe, der Fremdenfeindlichkeit und Korruption in den Vereinigen Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein aufwühlendes Buch und ein "Meisterstück der Parteilichkeit", so der bewegte Rezensent.
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