Josef Winkler

Wortschatz der Nacht

Cover: Wortschatz der Nacht
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518423578
Gebunden, 109 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Dass Tod lebendig macht, es gilt jedenfalls für das Schreiben dieses Autors. Todesfurcht - Sehnsucht, Schrecken und Faszination - treibt Josef Winkler von Werk zu Werk. 1979, direkt nach der Niederschrift seines ersten Romans "Menschenkind", brachte er in einem "Wortanfall" weniger Nächte hundert Seiten rauschhafter Prosa, einen "Bildersturm", zu Papier. Im selben Jahr erschien der Text in der Grazer Literaturzeitschrift manuskripte. Jetzt, vierunddreißig Jahre später, zum 60. Geburtstag des Büchner-Preisträgers, wird dieses Jugendwerk zum ersten Mal als Buch veröffentlicht. Eine Neu- und Wiederbegegnung steht an.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.06.2013

1979 erstmals erschienen hat dieser frühe Text von Josef Winkler für Leopold Federmair nichts von seiner Wildheit verloren. Das widerständige Schreiben des Autors gegen niederschmetternde Kindheitserfahrungen, den prügelnden Vater und archaische Lebenswelten manifestiert sich in dem frühen Prosastück laut Federmair in einer schrankenlos assoziativen Erzählweise, sowohl zwischen Geschichten, als auch zwischen Perspektiven wuchernd, zwischen Fantasie und Beschreibung und verschiedenen Stilen. Jene Schwierigkeiten, die der Leser von 1979 mit dem Buch gehabt haben mag, scheint Federmair jedenfalls nicht zu haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2013

Hymnisch bespricht Friedmar Apel Josef Winklers Buch "Wortschatz der Nacht". Der Text sei bereits unter dem Titel "Das lächelnde Gesicht der Totenmaske der Else Lasker-Schüler" im Jahre 1979 in der Grazer Avantgarde-Zeitschrift "Manuskripte" erschienen, berichtet der Rezensent. Gebannt liest er diesen in wenigen Nächten herunter geschriebenen Wortschwall, der ihm wie ein "leidenschaftlich hervorgepresstes" und zugleich "barock stilisiertes Gebet in höchster Not" erscheint. Winklers verarbeite hier seine traumatischen Erfahrungen als Kind und Jugendlicher in einem katholischen Dorf, informiert der Rezensent, der von diesem sprachgewaltigen Bildersturm mitgerissen wird: In einem nahezu panischen Sprachfluss vermische sich hier das Blut getöteter Tiere, das Blut Christi und das "Menstruationsblut der Pfarrköchin" mit den Ausscheidungen "bedrängender Sexualität und Notdurft". Nicht zuletzt hat sich der Kritiker aber auch mit diesem bisweilen noch recht pubertären Text bestens amüsiert.