Klappentext
"Ich schreibe dich - / Zur Welt bist du wieder gekommen / mit geisternder Buchstabenkraft", heißt es in einem der Gedichte von Nelly Sachs, das Josef Winkler in seinem neuen Roman zitiert, in dem er seine fünf Jahre ältere, mittlerweile verstorbene Schwester Maria, die sich in ihrer gemeinsamen Kindheit auf dem Bauernhof vor allem um den rebellischen Josef gekümmert hat, in die Welt zurückschreibt. Für eine Ausbildung zur Konditorin verlässt sie das Dorf, arbeitet jahrelang in den verschiedensten Hotels, kehrt nach Ausbruch ihrer seelischen Erkrankung und nach dem ersten Selbstmordversuch in ihr Elternhaus zurück, wo sie auf ihren Bruder Josef trifft, der nach dem Skandal um sein erstes Buch ebenfalls dort Zuflucht sucht.Der Roman Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht, der mit Josef Winklers "Buchstabenkraft", auch in surrealen Bildern, andeutet, welche ungeheuerlichen Vorkommnisse das Dasein seiner Schwester bis in den Tod verdunkelt haben mögen, verschränkt die Heimkehr der verlorenen Tochter und die Rückkehr des verlorenen Sohns ineinander.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.03.2026
Rezensent Christoph Schröder hält Josef Winklers Roman "Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht" insgesamt für ein sehr kraftvolles, sprachlich einzigartiges, aber auch forderndes Buch. Der Roman des österreichischen Autors Josef Winkler erzählt von seiner von Gewalt geprägten Heimat, vom schwierigen Vater und von der lebenslang an Schizophrenie erkrankten Schwester Maria, der er ein literarisches Denkmal setzt. Rezensent Schröder betont, dass Winkler seit seinem Debüt an einem einzigen großen "Lebensbuch" schreibt, dessen Motive - Dorf Kamering, katholische Enge, Gewalt, Außenseiter - sich hier besonders dicht bündeln. Er lobt die dunkle Sinnlichkeit, die strenge Form und den politischen Furor des Romans, warnt aber zugleich, dass man sich diesem zersplitterten, episodenhaften Erzählen nur mit großer Bereitschaft zu Zumutungen öffnen kann. Winkler schreibt wie immer "um sein Leben", beziehungsweise auch sein "Überleben", schließt der nachhaltig beeindruckte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
Hymnisch bespricht Verena Mayer diesen Roman von Büchnerpreisträger Josef Winkler, den die Kritikerin als Fortführung von Winklers vor mehr als vierzig Jahren erschienenem Roman "Muttersprache" liest. Noch einmal begegnet die Rezensentin den bekannten Figuren - allen voran natürlich Erzähler Seppl, der inzwischen zum erfolgreichen Schriftsteller geworden ist. Um den Unterschied jener Welten, der Provinz und der Kulturwelt geht es hier, vor allem aber widmet Winkler den Roman nun den Frauen der Familie. Im Mittelpunkt steht seine verstorbene ältere Schwester, die ein Leben zwischen Suizidversuchen und Psychiatrieaufenthalten führte, nachdem sie mutmaßlich vom Großvater als Kind sexuell missbraucht wurde. So exakt Winkler Krankenzimmer, Leben und Leiden der Schwester beschreibt, so vage benennt er den Missbrauch, erkennt die Kritikerin. Und dennoch: Winklers Sprache betört einmal mehr durch ihre "Schönheit", versichert die Rezensentin, die dank der Poesie mancher Zeile die Hässlichkeit jener engen Welt im Roman gut aushalten kann.
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