Jose Saramago

Die portugiesische Reise

Cover: Die portugiesische Reise
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498063504
Gebunden, 605 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Karin und Nicolai von Schweder-Schreiner. Der Autor macht sich auf zu einer mehrmonatigen Fahrt durch seine Heimat Portugal: Von Nord nach Süd, von Ost nach West - und wo immer er hinkommt, spürt er in sich jenen Einklang, der ihn mit seinem Land und dessen Bewohnern verbindet - allerdings auch so manchen Missklang. Penibel beobachtet er und was immer er ansieht - er quillt über vor Wissen über Geschichte und Kultur. Als Portugal-Liebhaber kann man sich auf dieser ausgedehnten Reise keinen anregenderen und vergnüglicheren Begleiter als Jos Saramago wünschen: einen sachkundigen Führer und hochgebildeten Kenner, der uns die verborgenen Schätze seines Landes abseits der geläufigen Touristenrouten erschließt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2004

Wenn sich Jose Saramago ins Auto setzt und "monatelang kreuz und quer" durch seine portugiesische Heimat fährt, dann kommt kein gewöhnliches Reisebuch dabei heraus, so Rezensentin Jutta Person, sondern eine "Schöpfungsgeschichte in den Tarnfarben der Reisebeschreibung". Mit seinem aufmerksamen Blick auf Kirchen und Burgen, Kreuzgänge und Skulpturen scheine sich Saramago auf die Suche nach der "geheimen Verbindung zwischen Wörtern und Ursubstanz" - vornehmlich in den Steinen - zu begeben. Kein Wunder also, dass er an schnörkelloser Schlichtheit mehr Gefallen finde als an barocker Überladenheit. Doch, so die Rezensentin, die Dauer der Reise und die große Anzahl der meditierten Objekte hätte sich nicht auf die Seitenanzahl niederschlagen müssen: Sechshundert Seiten "baedeckerhaften Sammeleifers" hinterlassen einen "erschlafften" Leser.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2004

Pia Reinacher schildert das Zustandekommen dieses Reiseromans des portugiesischen Nobelpreisträgers: Enttäuscht und erbost hatte sich Saramago 1993 nach Lanzarote zurückgezogen, nachdem man ihm in Portugal Verletzung religiöser Gefühle vorgeworfen und ihn von der Vorschlagsliste für den Europäischen Literaturpreis gestrichen hatte. Zehn Jahre später kehrt er zurück und erkundet sein Land wie eine terra incognita, meint Reinacher; Portugal sei ihm fremd und der Reiseroman zumindest kein verklärendes Nostalgiebuch geworden. Ambivalenz kennzeichnet ihrer Meinung nach Saramagos Haltung, der ein archaisches Portugal erkundet und dabei zugleich "seine eigenen zerklüfteten Seelenlandschaften". Die Grenzen zwischen dem wirklichen und dem Traumland seien verwischt, meint Reinacher, und im besten Falle entwickelten sich aus dem Besuch alter Klöster oder Kathedralen mit ihrem Fundus an archetypischen Bildern ganz poetische Stellen, in denen sich der Reiseführer in einen Heimatroman verwandele. Doch über lange Strecken, stöhnt Reinacher, wirke das Erzählmuster höchst eintönig, Tableau reihe sich an Tableau, und Saramago verirre sich in ein Labyrinth aus Abschweifungen und Seitensträngen, so dass der Leser Mühe habe, die einzelnen und still leuchtenden "Erzählinseln" überhaupt wahrzunehmen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2003

Als "in jeder Hinsicht großartiges Buch" preist ein begeisterter Kersten Knipp Jose Saramagos nun auf deutsch vorliegende Reisenotizen über "Die portugiesische Reise". Entsprechend des verhaltenen und schweigsamen Charakters der Portugiesen präsentiert sich diese Reise als "ausgesprochen lautloses Unternehmen", berichtet Knipp, "als Fahrt eines Solitärs durch erhabene Stille". Die "wunderbar anmutigen Sätzen", mit denen Saramago nicht nur Bäume, Sträucher, Gräser, die Landschaften, sondern auch die Museen, Burgen und Paläste, die Klöster, Kirchen und Kapellen Portugals beschreibt, haben Knipp sichtlich fasziniert. Sowohl im Hinblick auf die "beschaulichen Sujets" als auch und vor allem auf seine Sprache würdigt er die "Die portugiesische Reise" als ein "hochgradig poetisches Buch". Portugiesisch ist für ihn eben nicht nur "eine Sprache von wenigen Menschen mit wenig Geld" (Saramago), sondern auch die Sprache eines "gewaltigen Sprachkünstlers". Ein großes Lob spricht er auch den Übersetzern Karin und Nicolai von Schweder-Schreiner aus, die Saramagos "betörenden Stil" in ein nicht minder "betörendes Deutsch" übertragen haben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Verena Auffermann ist gerührt vom Bericht des "schüchternen Reisenden" Jose Saramago, der sein Heimatland Portugal via Feldwege und Hintertüren bereist und dabei die Gegenwart (Radiostimmen und Touristen) konsequent ignoriert hat, um die Vergangenheit (Skulpturen in Kirchen) und die Ewigkeit (Natur) zu ergründen, aber mehr noch zu befragen - "ohne eine Antwort zu erwarten". Der dabei gar nicht so sehr Reiselust stifte, sondern seine eigene Reise erfahrbar mache, so dass man bequem zu Hause, aber zugleich mit dem Nobelpreisträger unterwegs sei und zusehen könne, wie er, der bekennende Rationalist, über die Proportionen einer Dorfkirche "in einen wahren Begeisterungstaumel" gerät. "Ja, es ist merkwürdig", schreibt Auffermann, "in diesem dicken Buch überwindet Jose Saramago sich selbst", überwindet die Traurigkeit seiner Romane und findet im eigenen Hinterland das wahrhaftige Glück. "Die portugiesische Reise", so lautet ihr Fazit, "ist ein Denkmal für ein Land im Kopf und Jose Saramagos verdeckte Biografie".