Josan Hatero

Der Vogel unter der Zunge

Roman
Cover: Der Vogel unter der Zunge
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783803131874
Gebunden, 120 Seiten, 14,50 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Susanna Mende. In dem höchst gegenwärtigen Roman des jungen spanischen Autors Josan Hatero herrscht Krieg in einem nicht genannten Land. Ein Gruppe junger Männer trifft auf dem Weg in ein militärisches Ausbildungslager zusammen. Die drohende Gefahr und das Gefühl der Verlassenheit wecken in ihnen eine sie selbst überraschende Lebensgier; sie schwören sich Freundschaft, erleben den ersten Sex in einem Straßenbordell, verschaffen sich Drogen. Einer der Rekruten entzieht sich dem Einberufungsbefehl und findet Zuflucht bei einer jungen Frau. Der Deserteur verliebt sich in seine Helferin, doch das kurze Glück endent in einem Eifersuchtsdrama.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2004

In "kurzen Sequenzen", so der Rezensent Albrecht Buschmann, zeichnet Josan Hatero das Leben dreier Rekruten nach ("des Schüchternen, des Aufschneiders und des Besserwissers"), die eine vierzigtägige Grundausbildung in der Kaserne absolvieren, bevor sie in den Krieg geschickt werden. "Minimalistisch" nennt Buschmann die Erzählung auch deswegen, weil ihre Orte "kein Gesicht" haben, so wenig wie das Land "keinen Namen" und der Krieg "keine Ursache". Der Leser bewege sich "in einer seltsam irrealen Welt, wo individuelles Handeln keinen erklärten Grund und scheinbar keine Folgen hat". Daher sieht Buschmann in dieser Erzählung auch weniger eine politische oder soziale Analyse als eine "Parabel über die Angst vorm Erwachsenwerden, vor dem künftigen Leben", in der das Leben als "unausweichliche Bedrohung" erscheine. Dies mache die wirkliche Stärke von Hateros Geschichte aus, während "die virilen Einsprengsel über Sex und Gewalt" auf unseren Rezensenten eher "stereotyp" wirken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Recht angetan ist Maike Albath von Josan Hateros Geschichte junger Rekruten, den schon im Vorfeld des Krieges in der Kaserne ihre Zivilisation abhanden kommt. Entgegen den Erwartungen seitens der Rezensentin verschreibt Hatero sich aber keinem "blutrünstigen Realismus", sondern konzentriert sich auf alltägliche, kleine Vorfälle, um mit "knappen, unterkühlten" Szenen die "Banalität des Grauens" aufzuzeigen. "Minutiös" leuchte Hatero die Spuren aus, die die noch ferne Gewalt in der Sittlichkeit der jungen Rekruten hinterlässt. Über die genauen Umstände des Krieges erfährt der Leser nichts, die Figuren bleiben "grob schraffiert", die Geschichte verharrt im "Parabelartigen", was die Rezensentin allerdings als "Schwachstelle" des Romans ansieht. Manchen der Personen hätte sie "eine eigene Geschichte" gewünscht, und auch der Schluss bleibt unbestimmt, "verläppert" sich, wie Albath tadelt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2004

Der Titel ist zugleich das militärische Losungswort, verrät Elke Bihusch, mit dem die vier jungen Männer, welche die Protagonisten des Romans sind, Zugang zum Trainingslager erhalten. Josan Hatero, Jahrgang 1970, hat einen Anti-Kriegsroman geschrieben, stellt Bihusch fest, der "endet, bevor der Krieg beginnt", das heißt in der Ausbildung, welche die Männer in körperliche und seelische Wracks verwandelt. Der Roman enthalte keinen Bezug zur aktuellen Irak-Politik der spanischen Regierung, beugt Bihusch falschen Erwartungen vor, überhaupt sei der Krieg, die Bedrohung völlig anonym, gesichtslos, universell, nicht greifbar. Hatero setze auf Abstraktion und erzählerische Distanz, behauptet Bihusch. Spannung erzeuge er durch seinen knappen, temporeichen Stil, eine psychologische Feinzeichnung der Charaktere dürfe man nicht erwarten. Überhaupt sind ihr - vor allem die Frauengestalten - teilweise zu plakativ geraten, das Schicksal der jungen Männer sei vorhersehbar. Die wiederkehrenden poetischen Bilder aus der Vogelwelt finden jedoch ihr Gefallen, auch die vom Film inspirierte Schnitttechnik sei geschickt eingesetzt. Ein spannender Roman, fasst die Rezensentin zusammen, der dort an seine Grenzen stoße, wo es darum gehe, menschliche Konflikte in Extremsituationen auszuloten.
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