Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs. Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich bei diesem Buch keineswegs um einen gewöhnlichen Atlas. Es fängt vielmehr in einem einzigartigen Zusammenspiel aus Worten und Bildern Menschen, Städte, Landschaften, Düfte, Geräusche, Erlebnisse, Momente ein: in Gedichten und Reflexionen von Jorge Luis Borges und Fotografien seiner Lebenspartnerin María Kodama. Atlas ist Zeugnis ihrer gemeinsamen Reisen in den siebziger und achtziger Jahren, ihrer Abenteuerlust und ihres Entdeckergeists und umspannt von einer Ballonfahrt im Napa Valley in den USA bis zu einer herbstlichen Zusammenkunft der Gottheiten des Shinto in Izumo, Japan, fast den ganzen Planeten. Eine Hommage auf die Schönheit der Welt, auf das Glück des Reisens und auf die Macht der Erinnerung und des Erzählens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2026
Recht kurz kommt Rezensent Jobst Welge im Rahmen einer größeren Jorge-Luis-Borges-Besprechung auf diesen Band zu sprechen, der Kurztexte und Gedichte des Literaten sowie Fotografien enthält. Entstanden sind sowohl die Texte als auch die Bilder in Verbindung mit Reisen, die Borges mit seiner Lebensgefährtin María Kodama unternommen hatte und die die beiden unter anderem nach Island und Ägypten führten. Borges war damals bereits weitgehend blind, dementsprechend überrascht es Welge nicht, dass die Reisen für ihn in erster Linie "Stimuli für Erinnerungen, Träume, Reflexionen sind". Auch literarische Anspielungen auf Jules Verne und andere finden sich zuhauf. Viel mehr erfahren wir nicht, aber Welge scheint diesen Band sehr gern gelesen und betrachtet zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.05.2026
Rezensent Maximilian Mengeringhaus freut sich, hier in kleiner Form wieder Neues von Jorge Luis Borges entdecken zu können, wie immer gelungen übersetzt Gisbert Haefs. Diese Miniaturen sind auf Reisen in den letzten zehn Lebensjahren des Autors entstanden, begleitet werden sie von Fotografien seiner Frau Maria Kodama. Die Reisen führten sie nach Irland, Japan oder Kalifornien, Borges war damals bereits blind, sein Schreiben speist sich aus der Erinnerung, dem Gespräch und seiner "unvergleichlich assoziationsreichen Einbildungskraft". Mengeringhaus erkennt hier viele Borges-typische Themen vom Messerkampf bis zur menschlichen Gedächtnisarbeit wieder und hofft, dass der Kampa Verlag in seiner Neuedition auch diese kleinen Bände weiter verlegt.
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