Joochen Laabs

Der Schattenfänger

Roman eines Irrtums
Cover: Der Schattenfänger
Steidl Verlag, Göttingen 2000
ISBN 9783882437133
Gebunden, 400 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Ein heißer Sommertag auf dem Land vergeht im Warten auf den Besuch der Tochter, die der Erzähler seit Jahren nicht gesehen hat. Währenddessen suchen ihn Erinnerungen heim, die sich zu einer schonungslosen Lebensbilanz auswachsen: die berufliche Sackgasse, in die er mit seiner Verweigerung des Parteieintritts gelangt war, das Scheitern seiner Ehe, die Flucht auf ein einsames Gehöft, sein Unvermögen, die Stille um ihn schreibend zu fassen. Joochen Laabs liefert einen bewegenden Einblick in die DDR der achtziger Jahre, der den folgenden Zusammenbruch vorausahnen läßt. Als "Der Schattenfänger" Anfang 1990 im Mitteldeutschen Verlag erschien, befand sich die DDR mitten im Auflösungsprozeß und begrub den Roman von Laabs unter ihren Trümmern. Nun ist seine ganz und gar aktuelle Bestandsaufnahme erstmals von einem gesamtdeutschen Lesepublikum zu entdecken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2000

Gerhard Schulz scheint es zu bedauern, dass das Buch bei seinem ersten Erscheinen 1990 auf Grund der sich überschlagenen Ereignisse nur relativ wenig Beachtung gefunden hat. Denn seiner Ansicht nach weist dieses "seltsame, leise" Buch, das noch in der Welt der DDR angesiedelt ist, durchaus große Stärken auf. In seiner Aussteiger-Thematik erinnert es den Rezensenten ein wenig an Plenzdorfs Geschichte vom "jungen W.", allerdings hält er Laabs` Roman für "sehr viel komplexer" und auch "meditativer". Im Zentrum des Buchs steht ein junger Schriftsteller, der sich dem gängelnden DDR-Literaturbetrieb zu entziehen versucht, jedoch unter einer zunehmenden Einsamkeit zu leiden hat, erklärt Schulz. Zwar neige Laabs dabei gelegentlich zu Pathos und auch "ein wenig Selbstmitleid". Doch werde der Leser, der bereit ist, sich in Laabs "poetische Visionen" zu versenken, durchaus belohnt. Nicht zuletzt sieht der Rezensent in diesem Buch ein hervorragendes Zeugnis über die damalige Mentalität in der DDR, was er keineswegs nur melancholisch, sondern bisweilen auch vergnüglich findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2000

1989 im "letzten Herbst der DDR" erschienen, ging das Buch damals unter und ist jetzt auf Betreiben von Grass noch einmal aufgelegt worden. Grass wird vom Rezensenten Konrad Franke zitiert mit seinem Lob, dies sei ?ein wunderbares Buch, das während man noch liest, zum Wiederlesen einlädt?, aber der Rezensent schließt sich dem nicht an. Als "Grundkonstellation der Literatur in der früheren DDR" stellt Franke zunächst heraus: "Der Einzelne steht der Gruppe, dem Kollektiv gegenüber", die er mit vielen Zitaten aus früheren Erzählungen dieses Autors belegt. Es folgt eine ausführliche Inhaltsangabe des vorliegenden Romans, der das Thema variiert am "Typ des Halbverweigerers", den, so Franke, der Autor "erstaunlich genau und früh" beschrieben hat. Es geht um einen schreibenden Ingenieur, der nicht in die Partei eintreten will, Familie und Beruf aufgibt und aufs Land zieht, dabei jedoch sein Glück nicht findet. Zur Prägung durch die DDR-Gesellschaft gehörten, schreibt Franke, offenbar auch "langsames Denken in mittlerer Preislage, Sentimentalität und Selbstmitleid, Unentschiedenheit, der Griff zur volkstümlichen Droge" Alkohol. Und man hat das Gefühl, dass er einiges davon auch dem Autor, einem schreibenden Ingenieur mit Wohnsitzen in Berlin und Mecklenburg, attestieren möchte... Er findet, dass Laabs nicht souverän erzählt, sondern "ein von seiner Figur getriebener Berichterstatter ist".
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