Joo-Youn Kim

Brennende Wirklichkeit - kalte Theorie

Literaturkritische Aufsätze zur koreanischen Literatur
Cover: Brennende Wirklichkeit - kalte Theorie
Iudicium Verlag, München 2004
ISBN 9783891298947
Broschiert, 185 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Kim Young-Ok unter Mitarbeit von Matthias Gatzemeier. Die hier erstmals in deutscher Übersetzung vorliegenden literaturkritischen Schriften von Kim Joo-Youn verschaffen dem deutschen Lesepublikum einen authentischen Einblick in die Probleme koreanischer Literatur und Literaturkritik. Die in Korea geführten Auseinandersetzungen über ein angemessenes Verständnis von "Moderne", über mögliche inhaltliche Konzeptionen von "Nationalliteratur", über das kontrovers diskutierte Phänomen der "Massenliteratur" und über formale Gestaltungskriterien von Literatur dürften hierzulande im allgemeinen neu sein und auf verbreitetes Interesse stoßen.
Neben der allgemeinen Theorie finden sich in dieser Aufsatzsammlung zahlreiche Einzelinterpretationen ausgewählter Autoren und Werke. Sie geben einen guten Einblick in die konkrete Literaturproduktion Koreas und ihre Rezeption. Die Leserinnen und Leser erhalten hier die Möglichkeit, sich rasch und an kompetenter Quelle einen Ein- und Überblick über die koreanische Literatur der Gegenwart zu verschaffen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2005

Durchaus angetan zeigt sich Ludger Lütkehaus von diesen Aufsätzen zur koreanischen Literatur des koreanischen Literaturkritikers und Professors für Germanistik an der Sookmyung-Frauenuniversität in Seoul, Kim Joo-Youn, die im Vorfeld zur Frankfurter Buchmesse 2005 erschienen sind. Angesichts der Zerrissenheit des Landes und seiner zahlreichen historischen Traumata weist Kim Joo-Youn der Literatur und Literaturkritik in Korea eine harmonisierende Aufgabe zu und zeigt, wie die koreanische Gegenwartsliteratur dieser Aufgabe eindrucksvoll gerecht wird. Lütkehaus findet Kim Joo-Youn für ein deutschsprachiges Publikum auch deswegen interessant, weil er in seiner Doppelrolle als Literaturkritiker und Germanist "die deutsche Erfahrung" eines geteilten Landes "in verschärfter Form zurückspiegelt und aktualisiert".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2004

Eine "anregende Studie" sieht Steffen Gnam in diesem Band des koreanischen Literaturkritikers und Germanisten Joo-Youn Kim über die koreanischen Literatur. In seiner Besprechung beschränkt sich Gnam auf eine Widergabe des Gelesenen: Zunächst schildere Kim das historische Aufkommen der Massenliteratur und die Popularisierung der koreanischen Literatur, die bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts in erster Linie Adelskultur und ein poetisches Instrument in den Händen der Machthaber gewesen sei. Anschließend behandle er das vieldiskutierte Problem einer koreanischen "Nationalliteratur" und erörtere das Verhältnis zwischen Kolonialismus, Muttersprache und Nationalliteratur und die Frage, ob die während der japanischen Besatzung 1910 bis 1945 von Koreanern in der Sprache der Unterdrücker verfassten Werke als koreanische Literatur einzustufen seien. Dann befasse sich Kim mit der Literatur der Nachkriegszeit. Die Erkundung der inneren Welt des Individuums Mitte der sechziger Jahre habe eine Phase der Anklage gegen die Gewalttätigkeiten des Krieges abgelöst. In den siebziger Jahren verzeichne Kim im Spannungsfeld von Wirtschaftsaufschwung und autoritärem Staat eine Politisierung und Ideologisierung der Literatur, der nach der Niederschlagung des Volksaufstands in Kwangju 1980 einer Arbeits- und Arbeiterliteratur folgte. Mit dem Ende der Militärdiktaturen habe die koreanische Literatur dann ihre reine Kritikfunktion transzendiert.