John Cornwell

Die Beichte

Eine dunkle Geschichte
Cover: Die Beichte
Berlin Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783827011558
Gebunden, 320 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Enrico Heinemann. Als Papst Pius X. im Jahr 1905 das Mindestalter für die Beichte auf sieben Jahre herabsetzte, begann ein großes Menschenexperiment: Kinder wurden seitdem systematisch in Scham und Schrecken gehalten. Die Furcht vor Sünde, Fegefeuer und ewiger Verdammnis schuf bei Generationen von Gläubigen ein Lebensgefühl der Angst. Die Folgen sind bis heute spürbar - in einer Epoche von Säkularisierung und sexueller Befreiung haben gerade der Freiraum der Beichte und das Konzept der Sünde dem Missbrauch von Kindern Vorschub geleistet. John Cornwell, selbst Katholik und einer der führenden Vatikanexperten, zeigt auf der Grundlage eigener Erfahrungen und vieler konkreter Beispiele, wie sehr die Beichte zum Repressionsinstrument geworden ist - und warum sie offiziell wieder mehr in den Mittelpunkt des Glaubens rücken soll.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.06.2014

Wie viel Macht die Kirche über die ihr anvertrauten Seelen hat, vermag Rudolf Neumaier nach der Lektüre von John Cornwells Abrechnungsschrift zu erahnen. Dabei ist Cornwells Auflistung der Missbrauchsfälle im 20. Jahrhundert bis heute das entscheidende Kriterium für den Rezensenten. Die Abscheu gegen den Klerikalkatholizismus, der selbst regelmäßig nur "Baubescheide der Seele" veröffentlicht, wächst bei ihm mit jeder Seite. Wenn Cornwell allerdings die Beichte als Instrument für den Missbrauch darzustellen versucht, geht der Rezensent nicht mit. Dass pädokriminelle Priester wirklich den Beichtstuhl als Machtinstrument nötig gehabt haben sollen, um Opfer zu finden, mag er nicht glauben. Düster genug sind Cornwells Schilderungen von Priesterseminaren und mittelalterlichen Ordenshäusern auch ohne Hinweis auf die Beichte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.04.2014

Auch wenn der Autor John Cornwell am renommierten Centre for Advanced Religious and Theological Studies der Universität Cambridge forscht, sollte man keine distanziert-akademische Abhandlung erwarten, stellt John F. Jungclaussen klar. Vielmehr legt Cornwell eine "schonungslose Aufklärungsgeschichte" vor, in der er nachzeichnet, wie die katholische Kirche seit dem Mittelalter immer weiter in das Intimleben immer jüngerer Menschen eindrang. Im zweiten Teil des Buches beschreibt der Autor, von seinen persönlichen Erfahrungen im Priesterseminar Ende der fünfziger Jahre, wie das Beichtsakrament im Zusammenspiel mit der repressiven katholischen Sexualmoral dem sexuellen Missbrauch von Kindern Tür und Tor öffnete: "Die Beichte stellte dafür alles bereit, Versuchung, Verheimlichung und Vergebung", fasst Jungclaussen zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2014

Als jemand, der sich soziologisch und historisch mit der Beichte auskennt, hält Rezensent Alois Hahn das Buch von John Cornwell für größtenteils schief. Auch wenn Hahn vieles von dem, was der Autor zum Thema schreibt, irgendwie richtig findet, möchte er nicht uneingeschränkt zustimmen. Das liegt unter anderem an Cornwells moralisierendem "pornografischen Positivismus". Am Umstand, dass der Autor die jüngsten Fälle von Kindsmissbrauch in der katholischen Kirche auf das Beichtritual zurückführt. Hahn ist das zu polemisch und antiklerikal. Aufrüttelnd scheint ihm das Buch dennoch, zudem gut geschrieben und anekdotenreich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.02.2014

Kontrovers erscheint Brigitte Werneburg John Cornwells Studie zur Geschichte der Beichte, etwa da der Autor nicht nur das Aussterben der Beichte feststellt, sondern auch mögliche Gründe benennt: Sünde besteht im Verständnis der Kirche nur Gott gegenüber, nicht etwa einem Mitmenschen. Und wenn der Historiker Cornwell das Dekret "Quam singulari" von Pius X. untersucht und damit, wie die Kirche mit der Kinderbeichte dem sexuellen Missbrauch Vorschub leistete, wird es für Werneburg richtiggehend provokant. Vor allem, weil die Rezensentin Belege für so eine These im Buch vergeblich sucht. Anregend aber scheint die Lektüre dennoch gewesen zu sein.