John Bayley

Elegie für Iris

Cover: Elegie für Iris
C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406460647
Gebunden, 259 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk. John Bayley erzählt in diesem Buch die Geschichte seiner Ehe mit der Philosophin Iris Murdoch, einer der bekanntesten Romanschriftstellerinnen ihrer Zeit. Bayley und Murdoch lernen sich 1953 in Oxford kennen. Ihre Ehe ist von tiefer Zuneigung, Sympathie und gegenseitigem Vertrauen geprägt. Ihr gemeinsames Leben wird auf tragische Weise beeinträchtigt, als deutlich wird, daß Iris Murdoch an der Alzheimer Krankheit leidet. Sie gleitet unaufhaltsam in das Dunkel der Krankheit ab, wird ängstlich, murmelt kindischen Unsinn und bewahrt sich dennoch eine liebenswerte Sanftmütigkeit und das absolute Vertrauen in ihren Mann, der sie bis zu ihrem Tod aufopfernd und geduldig pflegt. Iris Murdoch, "Dame of Empire", starb 1999 mit 79 Jahren. Sie war 45 Jahre mit John Bayley verheiratet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2000

Alexandra M. Kedves zeigt sich spürbar berührt von diesem "zärtlichen, nie aber süßlichen Dokument einer unerschütterlichen Liebe". Einige Passagen hebt sie dabei besonders hervor, etwa die, in der Bayley seine spätere Frau kennen lernt und nach und nach feststellt, wie eifersüchtig er auf die Faszination ist, die Iris auf ihre Umgebung ausübt. Oder auch die, wo der Autor von seiner eigenen Ungeduld und seiner Wut berichtet, die er manchmal empfunden hat, als die Alzheimer-Krankheit seiner Frau bereits ausgebrochen war, und sie stereotyp immer wieder die gleichen Fehler machte. Eine Szene schildert Kedves besonders eindringlich: Dort unternimmt Bayley mit seiner kranken Frau einen Badeausflug, bei dem sie fast ertrinkt und ihm klar wird, dass dies der letzte Ausflug dieser Art sein muss. Gleichzeitig erinnert er sich an ihr erstes gemeinsames Bad im Fluss. Hier sieht die Rezensentin eine "mit leichter Hand gute Zeiten und schweres Schicksal" verknüpfende Schilderung, die sie offensichtlich besonders beeindruckt hat. Sie räumt zwar ein, dass man gerne mehr über Iris als Schriftstellerin und die Zeit, in der sie noch gesund gewesen ist, erfahren hätte. Dies sei jedoch nicht die Hauptaufgabe des Buchs, dessen Stärke ihrer Ansicht nach vor allem in der Vermittlung der besonderen Nähe liegt, die John und Iris Bayley bis zuletzt für einander empfunden haben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.05.2000

Als ein "Hohes Lied der Liebe" bezeichnet Andreas Nentwich dieses Buch, das seiner Ansicht nach an "Aufrichtigkeit und Scharfsicht, Wärme, Takt und Lebensweisheit" kaum zu übertreffen ist. Besonders beeindruckt hat in dabei offensichtlich die stille, zärtliche Beobachtungsgabe Bayleys, mit der er nicht nur die hart arbeitende, erfolgreiche und intellektuelle Iris (`so wie sie von anderen gesehen und bewundert wurde`) und die ihm immer ein wenig fremd geblieben zu sein scheint, beschreibt, sondern auch die ausgelassene, alberne ja naive Iris. Nentwich betont, dass ihm eine Passage dabei besonders aufschlussreich erschien: Da, wo Bayley beschreibt, dass "Iris kein Wissen von sich selbst besaß", und trotz ihrer Begabung, Menschen in ihren Romanen eindrucksvoll darzustellen, es `keine Andeutung (gibt), dass sie die Welt durchschaut`, auch nicht ihre eigene. Dass Bayley häufig das Naive, Unschuldige, ja Engelsgleiche betont, scheint für Nentwich keine Schwäche zu sein. Vielmehr ist er spürbar beeindruckt von der sich stets vemittelnden Liebe und dem Glück, das beide auch nach Ausbruch der Krankheit noch empfunden haben. Dass Bayleys Schilderungen dabei frei von Pathos und nicht ohne Ironie sind, gehört für ihn neben vielem anderen zu den Stärken des Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000

"Ein richtiges Meisterwerk", findet Michael Rutschky in einer sehr ausführlichen Kritik, ist John Bayleys Buch über den langsamen Verfall seiner Frau, die auch eine bedeutende englische Schriftstellerin war: Iris Murdoch nämlich, deren Bücher Rutschky vor langer Zeit las und bruchstückhafte, aber intensive Erinnerungen an sie hat. Rutschky lobt das reiche Material, das Bayley in sein Buch hineingearbeitet hat, ohne es damit "aufzuschwemmen". Sichtlich fasziniert ist er von Bayleys Innenansichten aus der britischen Boheme, merklich bewegt von der "unzerreißbaren Liebes- und Ehegeschichte". Er selbst, sagt Rutschky, sei bei der Lektüre neugierig auf das Werk Bayleys geworden, das er bisher nicht kannte. Der Leser von Rutschkys Kritik wird neugierig, dies hochgelobte Buch selbst zu lesen, das den Rezensenten an Simone de Beauvoirs "La cérémonie des adieux" erinnert, in dem sie die letzte Zeit mit dem blinden Sartre beschreibt. Wobei Bayleys Buch bei diesem Vergleich deutlich besser abschneidet.
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