Die gemeinsame Kultur und der Zusammenhalt der Europäischen Union stehen auf dem Prüfstand der Geschichte. Eine Selbstvergewisserung dessen, was Europa ausmacht, ist daher eine vorrangige Aufgabe unserer Zeit. Der Band ist als wissenschaftliche Bestandsaufnahme unserer kulturellen Identität zu verstehen. Die Kenntnis der Bedingungen europäischer Freiheitswirklichkeit ist für die Stärkung der Resilienz und Handlungsfähigkeit der Europäischen Union unentbehrlich. Verteidigungspolitik hat ein ganz bestimmtes, konkretes Freiheitsbewusstsein zur Grundlage. Geschichtlich erworbene Gestaltungen der Freiheit haben ein philosophisch begründbares Fundament. Denn als bloß geschichtliche Fakten sind sie noch nicht legitimiert bzw. als vernünftig anerkannt. Sie müssen sich vielmehr am Begriff der Freiheit und dessen Fortschritt messen lassen. Zehn Autoren haben sich der Herausforderung gestellt, unser geistiges Fundament in einer systematischen Einheit darzustellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2023
Rezensent und Historiker Sönke Neitzel bekommt beim Lesen des von Johann Frank und Johannes Berchtold herausgegebenen Sammelbands den Eindruck, dass eine starke EU aufgrund der Verschiedenheit der historischen Erfahrungen ihrer Mitglieder ein frommer Wunsch bleiben muss. Ein Beitrag von Herfried Münkler über das Scheitern ökonomischer Allianz im Euro-Raum trifft es in dieser Hinsicht genau, findet er. Andere Beiträge im Band über europäische Identität in ihren Einzelaspekten, wie Technik, Staat, Freiheit irritieren den Rezensenten mitunter durch ihren Glauben an die Möglichkeit der EU zur Einbindung anderer Weltmächte. Für Neitzel eine Illusion.
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