Jörg Scheller

No Sports!

Zur Ästhetik des Bodybuldings
Cover: No Sports!
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010
ISBN 9783515097130
Gebunden, 267 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Bodybuilder werden oft belächelt. Dabei verraten sie viel über unsere ästhetisierte, körperfixierte, perfektionistische Lebenswelt und deren Ursprünge. In einem großen kunstwissenschaftlichen und philosophischen Panorama deutet Jörg Scheller Bodybuilder als postmoderne Bildhauer, die an eine zentrale Idee von Neuzeit, Aufklärung und Moderne anknüpfen: der Mensch könne sich selbst formen, ja neu erschaffen. An Stelle der geistigen Arbeit an der inneren Statue tritt im Bodybuilding die künstlerische Arbeit an der äußeren Statue. Sport ist dabei nur Mittel zum Zweck, die eigene Existenz in ein radikal selbstbezügliches Kunstwerk zu verwandeln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2011

Rezensent Felix Stephan scheint dem Autor beipflichten zu wollen: Dass wer sich über die glänzenden und vor allem nutzlosen Prallkörper der Bodybuilder aufregt, daneben liegt, weil er schlicht in falschen Kategorien denkt, lernt er in diesem Buch des Zürcher Kulturwissenschaftlers Jörg Scheller jedenfalls ziemlich schnell. Moment, ein Kulturwissenschaftler schreibt übers Bodybuilding? Eben! Scheller geht sogar soweit, die Körper(bild-)hauer der Künstlersozialkasse und der Art Basel anzuempfehlen. Arni ist nicht bloß Kult, Arni wird Kunstgeschichte, wenn Scheller Gründungsmomente des Bodybuildings aufschreibt und den Rezensenten mit Analogien zwischen "Pumpen" und griechischer Harmonielehre verblüfft. Stephan schließt das Buch mit Respekt für die muskulösen, verflixt subtilen Kritiker der Wellness-Ideologie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2011

Tomasz Kurianowicz hat allerhand Einwände gegen dieses Buch, das so sehr die Körperbildung, bekannt auch als Bodybuilding, feiert. Erstens fragt sich der Rezensent, ob all die Philosophen und Denker von Agamben über Foucault bis Marx in ihren Werken auch nur einmal wirklich das Bodybuilding verfochten haben, wie vom referenzfreudigen Autor suggeriert. Zweitens vermisst er die Darstellung der Schattenseiten des Muckibudenhypes (medizinisches Risiko, Pharmalobby). Und drittens kann er Jörg Scheller spätestens dann nicht mehr richtig Ernst nehmen, wenn er fordert, Bodybuilder als Körperkünstler in die Künstlersozialkasse aufzunehmen. Schellers Gewährsmann Schwarzenegger jedenfalls, meint der Rezensent, hätte wohl eher einen Oskar für die beste Selbstinszenierung und -vermarktung verdient, als ein Stipendium für interesseloses Künstlerkörpertum.