Klaus Bergdolt

Kriminell, korrupt, katholisch?

Italiener im deutschen Vorurteil
Cover: Kriminell, korrupt, katholisch?
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018
ISBN 9783515121231
Gebunden, 243 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Goethe sah in seiner Italienreise 1786/87 den Höhepunkt seines Lebens. Viele Schriftsteller deutscher Sprache äußerten sich ähnlich und bekundeten, dass ihr Werk und ihr Denken entscheidend, und zwar im positivsten Sinn, durch Italien geprägt wurde. Gleichzeitig jedoch blickten deutsche Intellektuelle jahrhundertelang mit einem Gefühl moralischer und kultureller Überlegenheit auf die Italiener herab. So sehr man die Landschaft und die Kunst des Südens vergöttlichte, die Venezianer, Florentiner, Römer oder Sizilianer selbst wurden in der Regel kritisch gesehen, wobei der antiitalienische Diskurs von negativen Stereotypen bestimmt wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2018

Rezensent Golo Maurer erkennt in Klaus Bergdolts Buch immerhin eine wichtige Vorarbeit für eine ergebnisoffene Studie über die Erwartungen und Enttäuschungen im Miteinander von Italienern und Deutschen. Bergdolt selbst scheint ihm bei der Suche nach Dokumenten dieser Beziehung allzu sehr auf die wohlfeil dargebotene Geringschätzung zu schielen, ob bei Luther, Goethe oder Joachim Fest. So umfangreich das Quellenstudium des Autors und so unterhaltsam die dargestellte Hybris der Deutschen, so überflüssig erscheint Maurer ihre Feststellung und so wenig differenziert Bergdolts Methodik. Grundsätzliche Definitionen oder eine thematische Strukturierung der Thesen sucht Maurer im Buch vergebens.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.12.2018

Ambros Waibel schämt sich ein bisschen angesichts der vom ehemaligen Leiter des Deutschen Studienzentrums in Venedig dokumentierten Italien-Vorurteile deutscher Reisender aus mehreren Jahrhunderten. Was Klaus Bergdolt aus den Archiven fischt an abgeschmackter Schelte von Karl Friedrich Schinkel ("infamste Betrügereien") über Thomas Mann bis Rolf Dieter Brinkmann, der seiner Arroganz durch konsequente Falschschreibung italienischer Vokabeln Ausdruck verlieh, lässt ihm die Haare zu Berge stehen. Die Ignoranz der Dichter und Denker scheint ihm beim Lesen mit Händen zu greifen, und eine Tradition der Herablassung wird offenbar.

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