Auf angemaßte Heiligkeit und Mordversuche lautete die Anklage in einem Inquisitionsprozess, der 1859 bis 1862 skandalöse Zustände im römischen Frauenkloster Sant Ambrogio ans Licht brachte. Mögliche Tatmotive waren Machtkämpfe, Eifersucht und die Vertuschung sexueller Beziehungen. Historiker, Theologen, Religionswissenschaftler und ein Psychiater ordnen den Fall in seine Zusammenhänge ein. Sie liefern einen Überblick über Heiligkeit in Religion und Kirche, zeichnen historische Unterscheidungen von falscher und angemaßter Heiligkeit nach und nehmen das 19. Jahrhundert als Zeitalter des Spiritismus und der Privatoffenbarungen in den Blick. Dabei geht es nicht zuletzt um die Verschränkung von Heiligkeit, Macht und Geschlechterrollen und damit um ein dringendes Desiderat der Forschung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.02.2014
Wie unheilig Rom war zur Zeit Joseph Kleutgens, erfährt Rudolf Neumaier bei der Lektüre der insgesamt 14 aus einer Tagung zu Hubert Wolfs Bestseller "Die Nonnen von Sant' Ambrogio" hervorgegangenen Beiträge. Die Texte scheinen Neumaier ein veritabler Kommentar zu sein zu Wolfs Buch. Für den Rezensenten ist das Licht, das sie auf den Katholizismus im 19. Jahrhundert werfen, gleichfalls düster. Beziehungsweise erhellend, denn der rote Faden, der laut Neumaier durch den Band geht, heißt Skepsis. Heiligsprechungen und Marienerscheinungen kriegen ihr Fett weg, erläutert der Rezensent, der die wahrhaft heilige Bedeutung von Ordensproporz und Almosen in diesen Zusammenhängen kennenlernt.
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