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Jörg Friedrich

Brandstätten

Der Anblick des Bombenkriegs
Cover: Brandstätten
Propyläen Verlag, München 2003
ISBN 9783549072004
Gebunden, 239 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Fotos. Nach seinem Buch "Der Brand" legt Jörg Friedrich einen großen Bildband zum Bombenkrieg vor, der weitgehend unveröffentlichtes Fotomaterial aus den Archiven deutscher Städte dem Vergessen entreißt. Gezeigt werden die gespenstische Ruinenlandschaft, die Zuflucht der Bevölkerung in Kellern und Bunkern, die Bergung der Opfer, der Alltag in den Trümmerwüsten und die infame Regie der NSDAP, die den Entronnenen Butterbrote, den Toten Staatsbegräbnisse und den Kapitulanten das Schafott bereitete.

Im Perlentaucher: Rezension Perlentaucher

Jörg Friedrich hat nach seinem Aufsehen erregenden Bestseller "Der Brand" einen Bildband herausgebracht "Brandstätten - Der Anblick des Bombenkrieges". Auf Seite 240, der letzten Seite des Buches, steht: "Eine Fotogeschichte des Bombenkriegs kann die Schrecknisse des Sterbens der Zivilbevölkerung nicht aussparen. Über die Grenzen der Darstellbarkeit von Körperzerstörung konnten sich Verlag und Autor nicht einigen. Jörg Friedrich und der Propyläen Verlag stimmen darin überein, dass die Gründe für eine Veröffentlichung ebenso stichhaltig sind wie diejenigen für Zurückhaltung. Die Würde der Opfer, die einen schrankenlosen Abdruck der fotografischen Überlieferung verbietet, und das historische Zeugnis des Grauens von Kriegen sind schwer gegeneinander abzuwägen. Dem einen Gut ist nicht zu entsprechen, ohne das andere zu verletzen. Verlag und Autor haben dazu unterschiedliche Auffassungen, übergeben jedoch den Band der Öffentlichkeit im gegenseitigen Respekt vor der Haltung des anderen; der Leser möge sich sein eigenes Urteil bilden. Propyläen Verlag - Jörg Friedrich" Worüber? fragt sich der Leser, bevor er sich ein eigenes Urteil zu bilden versucht, nach dieser Erklärung einigermaßen verdutzt. Sie ist völlig unverständlich...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2003

Joachim Güntner zeichnet in seiner Kritik des Buches über den Bombenkrieg die Debatte nach, die dieser Band und Jörg Friedrichs vorhergehendes Buch "Der Brand" ausgelöst haben. Der Rezensent findet, dass dieses Werk mit seinen neben den Fotos der Bombenopfer und den zerstörten Städten recht kurzen Texten als selbstständige Publikation nicht "bestehen" kann. An den Abbildungen entzündete sich auch die Kritik an dem Buches, und Friedrich wurde wegen der Fotos von durch das Bombardement bis zur Unkenntlichkeit verkohlter Leichen und zerstörter Gebäude sowohl Revisionismus als auch die Verletzung der Menschenwürde vorgeworfen, informiert der Rezensent. Güntner schließt sich diesen Vorwürfen nicht ohne weiteres an. Er findet, dass der Autor "schwer zu fassen" ist. Friedrich wolle die vollständige Zerstörung durch die Bilder erfahrbar machen und damit den "totalen Krieg" kritisieren, gesteht der Rezensent dem Autor zu. Trotzdem empfindet auch er die Abbildung der Opfer als grenzwertig und die am Ende des Buches abgedruckte Erklärung des Verlags, in der dieser sich von den Abbildungen distanziert, bezeichnet der Rezensent als "peinlich", zeigt er doch, dass der Verlag keine Verantwortung zu übernehmen wagt, aber dennoch von den Illustrationen zu profitieren gedenkt. Mit dem Sprachstil des Autors schließlich kann sich Güntner auch nicht recht anfreunden, er ist ihm mitunter zu "explizit", dann wieder zu "verfremdend-geschraubt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2003

Jörg Friedrich setzt seinen Bombenkriegsbestseller fort, mit anderen Mitteln, denen des Fotobandes nämlich. Und er kennt kein Erbarmen, so viel steht fest, bevor man diskutieren will - wie Ulrich Raulff das in seiner ausführlichen Besprechung tut -, ob es dafür gute Gründe geben kann oder nur schlechte. Das Nachwort dokumentiert in durchaus einzigartiger Weise den Streit zwischen Autor und Verlag: letzterem war zu viel und zu drastisch, was Friedrich hier zeigen wollte und nun, ohne Segen, aber mit Erlaubnis seines Stammverlags, auch zeigen darf. Keineswegs könne man, meint nun Raulff, dem Autor Revisionismus unterstellen, den Willen also, hier das Leid von Opfern aufzurechnen und das Tätervolk so zum Opfervolk umzufälschen. Ein moralisches Desaster aber sieht der Rezensent nichtsdestoweniger, der Berufung auf Susan Sontag zum Trotz, die der ungeschönten, nichts verschweigenden Darstellung im Bild in ihrem jüngsten Buch den Segen gibt. Der Frevel dieses Bandes liegt dabei nicht im Detail der schrecklichen Bilder selbst, so Raulff, sondern im Glauben des Autors, der quasi-mimetische Nachvollzug des Schreckens sei ein Ding der Möglichkeit. Das gilt für die Bilder, werde aber am Text, den Friedrich dazu verfasst hat, erst recht deutlich. Dessen Ton und Stil zwischen "klassizistischem Kunstmarmor" und "banalem Kitsch" entlarve die Bedenkenlosigkeit, die als ästhetische eine Sache der Moral wird: Friedrich sieht in Schrecken und Leid die Lizenz für eine "düster-trunkene Kriegsprosa", die das Geschehen emotionalisierend heraufbeschwören will.
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